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Schriften von Dr. Hannes C. Kapuste:
Schriften zur "Suchtmedizin"


Themen:
Eugenik als Hintergrund unserer Drogenpolitik?
Böse Folgen eines BGH Fehlurteils
Menschen, die keinen Arzt mehr finden.
Die verborgene Norm
Familientherapie und Schizophrenie
Therapie in der Familie
Schizophrenie eine körperliche Erkrankung?
Familientherapie und Psychiatrie
Alchimie des Gemüts
LSD gilt nicht als Heilmittel
Medizinisch nutriologische Grundlagen
Risikoträchtige Relikte
Histamin und die Methadonbehandlung
Medizinische Differenzierung Heroinsuchtproblem
ZUR PSYCHOLOGIE DER SUCHT
Persönlichkeit und Herkunft Heroinabhängiger
Aufschlussreicher Briefwechsel
Der verheerende Einfluss des Patentrechts
Pointierte Thesen und Tatsachen zum Heroin Problem
Das Geheimnis der sogenannten Heroinsucht
Pyrrolurie - Vit. B6 & Zink
Neuroleptika im Vergleich zu "Drogen"
Information - Methainformation


Allgemein:
RECHTLICHES


Neuroleptika im Vergleich zu "Drogen"

I N H A L T 

1. Vorbemerkungrn

2.Psychopharmaka und "Drogen"

3. Psychopharmakologie und Fälschungen

4. Mortalität in der Psychiatrie

5. Die Karriere von Sewering

6. Gesetzgeber, Gerichte, Presse u. Sucht.

7. Gewicht der Fälschungen nach Kriterien

8. Schlussbemerkungen

DOKUMENTATION



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______________________________________________________________
NEUROLEPTIKA - Wirkung, Nebenwirkungen und Verwendung im Vergleich zu denen der "Drogen"
1

Zusammenstellung einiger Tatsachen und Hypothesen zum Problem der systematischen Fälschung der öffentlichen Meinung bis in die etablierte medizinische Lehre Über die verschiedenen chemischen Substanzen, die eine psychotrope Wirkung besitzen, für Herrn Franke von der Redaktion des Spiegel von H. Kapuste.



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1 .   V O R B E M E R K U N G R N 

Dass im Bereich der Psychiatrie - sehr im Gegensatz zu anderen medizinischen Disziplinen - viele Tatsachen verborgen werden, gehört jedenfalls für den einschlägig Vorgebildeten zu den Gemeinplätzen.

.1 So sind politische Übergriffe der Psychiater immer recht sorgfältig verborgen worden (1,2).

.2 Besonders die nach der weithin bekannten Sterilisierung von Geisteskranken durchgeführte Tötung von 70- bis 300-tausend Hospitalisierten Deutschen in den Jahren 1939 bis 1941 gehört zu den bestorganisierten und dazu bestverborgenen Aktionen der Geschichte in dieser Größenordnung (3,4,5).

.3 Der kaschierte Giftmord an Kindern in den Jahren nach 1941 wurde sogar gegenüber der politischen Führung verborgen (5,6).

.4 Auch weniger eklatante Tendenzen der gegenwärtigen Psychiatrie, bestimmte erwiesene Tatsachen dann zu verbergen oder auch nur nicht in therapeutische Programme umzusetzen, wenn sie den therapeutischen Tendenzen in der Psychiatrie zuwiderlaufen, sind beschrieben worden, wie z.B. die Familientherapie schizophrener Psychosen (7,8).

Im Unterschied zu diesen Beispielen für das Verbergen von Aktionen oder Tatsachen vor der Öffentlichkeit im allgemeinen und wissenschaftlichen Sinne soll im folgenden ein Zusammenhang hergestellt werden zwischen einer ganzen Anzahl von Tatbeständen, die in den westlichen Ländern heutzutage systematisch und mit einer sehr eindrucksvollen Perfektion gegenüber der medizinischen Profession verborgen, entstellt und ins Gegenteil verwandelt werden, und einigen mit großem Aufwand an "Propaganda" in der Öffentlichkeit hergestellten Meinungen über die Wirkungen psychotroper Drogen. Es wird sich dabei zeigen, dass in der öffentlichen Meinung eine Reihe von Irrtümern mit großem Erfolg etabliert wurden. Diese Irrtümer wieder sollen in Zusammenhang gebracht werden mit einer allgemeinen politischen Tendenz (Vermehrung der Kriminalität, Schaffung eines neuen Typs von "Untermenschen", Verschärfung der Auseinandersetzungen zwischen Polizei, Justiz und abweichend denkenden Jugendlichen), dem Verbrauch unglaublicher öffentlicher und privater Mittel für die Herstellung chronischer Krankheiten, psychischer Invalidität, und therapeutischer Misserfolge, entsprechend hohen Gewinnen dreier Industriezweige (Zigaretten, Alkohol und Pharmazie), Zwängen im Bereich der Karrieren von Ärzten, Juristen, Politikern, Pharmazeuten, Journalisten und anderen Berufsgruppen und bestimmten Gesetzen des Bundestages in den Legislaturperioden beider Schattierungen, die diese Entwicklung forciert haben und forcieren.

Die vollständige Darstellung der skizzierten Zusammenhänge, insbesondere die Zusammenstellung der dazugehörigen Belege, verlangt eine sehr umfangreiche Arbeit, die hic et nunc nicht zu erbringen ist. Die beim Autor befindlichen Unterlagen, seine eigenen Erfahrungen und eine allgemeine Bildung einschließlich der einfacher darstellbaren allgemeingültigen medizinischen Kenntnisse reichen aber aus, die notwendigen Brücken für ein konsistentes, zunächst hypothetisches Bild einer öffentlichen Gefahr bzw. Entwicklung - je nach Standpunkt des Lesers - herzustellen. Für den Interessierten - insbesondere den Journalisten innerhalb einer potenten Redaktion - ist es aber ein leicht zu lösendes, wenngleich mit Zeitaufwand verbundenes Problem, einerseits die notwendigen Ergänzungen zu finden, andererseits an den fragwürdigen Punkten zu kontrollieren, um den hypothetischen Gedankengang entsprechend zu erhörten bzw. zu widerlegen.

Aus zwei Gründen soll in der folgenden Darstellung von Tatsachen keine logische bzw. einleuchtende Reihenfolge gewählt werden:

a) damit zunächst die best-recherchierten bzw. dem Autor am besten bekannten Tatsachen angeführt werden können und so das zunächst Sicherste zuerst gebracht werden kann,

b) damit der Leser zunächst seine eigenen Assoziationen bilden und damit das hypothetische Gebäude besser überprüfen kann. Davon ausgenommen ist die pharmakologische Übersicht, die zunächst gegeben werden soll.



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2 . P S Y C H O P H A R M A K A   U N D   " D R O G E N " 

.1. Verwirrung der Begriffe:
Im Vordergrund der Misere, die sich mit dem Schicksal der psychisch Kranken und Süchtigen aller Sparten verbindet, steht die Verwirrung der Begriffe, die damit zu tun haben, von den Krankheitsbegriffen bis zu den Klassen, nach denen die chemischen Substanzen gruppiert werden, die hier als Heilmittel bzw. Suchtmittel gelten. Es wird sich zeigen, dass an vielen Punkten in der öffentlichen und professionellen Meinung gerade das für ein X gehalten wird, was de facto - d.h. in wissenschaftlichen Arbeiten - als U beschrieben wurde.

Die wirksamste Methode der aktiven Begriffsverwirrung besteht darin, die Widersprüche durch Begriffsebenen zu trennen. Ein Beispiel dafür ist das in der Kommunikationstheorie bekannte "double bind" (9), wo ein Element des Widerspruchs auf der sprachlichen (vom Bewusstsein aufgenommenen), das andere auf der Verhaltensebene (die meist nur intuitiv wahrgenommen wird) liegt. In diesem Zusammenhang stecken die Widerspruchselemente in verschiedenen Sprachbereichen, und dies auf recht verwickelte Weise.

Der Drogen-Begriff, dessen Verwendung hier kaum zu vermeiden ist, wechselt die Bedeutung je nach dem Kontext, in dem er erscheint.. Seine medizinische Bedeutung ("getrocknete Pflanzen oder deren Teile, als Ausgangsprodukt für die Isolierung der Wirkstoffe bzw. zum Herstellen von Arzneizubereitungen" (60)), deckt den Verwendungsbereich im heute allgemeinen Sprachgebrauch nicht ab (nicht einmal hei Marihuana, einer Droge im medizinischen Sinne, wenn dabei. von "Drogenabhängigkeit" gesprochen wird, weil gerade die Abhängigkeit medizinisch nicht etabliert werden kann (10)).

Viele Substanzen, die unter den Drogenbegriff fallen, sind aber in der Medizin verwendete Medikamente (z.B. die Amphetamine, die Opiate), deren Wirkungen unter anderen Kategorien, als der Kategorie "Drogen" in medizinischen Texten beschrieben sind. Umgekehrt wird der Begriff "Psychopharmaka" (seine sprachliche Bedeutung: "auf die Psyche wirkende pharmakologisch definierte Substanzen) in der Medizin so gebraucht, dass eine Reihe der allgemein diskriminierten Drogen nicht darunter fallen.

Außer der medizinischen Terminologie und dem Sprachgebrauch gibt es aber noch andere hier wesentliche Definitionen, wie z.B. den Begriff "Betäubungsmittel", der alle Substanzen zusammenfasst, deren Gebrauch über die Rezeptpflicht hinaus beschränkt oder verboten ist. Man kann aber ohne sehr zu übertreiben sagen, dass es sich bei den im Betäubungsmittelgesetz (11,12) aufgeführten Substanzen "gerade nicht" um Mittel handelt, mit denen man irgend jemanden oder irgend etwas betäuben kann. Im wahren Sinne des Wortes wird nicht einmal der Schmerz von den Opiaten betäubt, die Angst aber, die tatsächlich betäubt wird von Opiaten, wird auch von den Medikamenten - und z.T. in reiner bzw. spezifischer Form - betäubt, die unter Psychopharmaka fallen.

Zu dieser schon recht wirksamen Verwirrung der Begriffsebenen kommt noch die Tatsache, dass die chemisch definierte Substanz, die bei uns die größte Anzahl körperlich abhängiger Menschen, die größte Anzahl notwendiger Hospitalisierungen bzw. Hospitalisierungstage und möglicherweise die größten sozialen Unkosten verursacht, nämlich der Alkohol, weder unter den Drogenbegriff, noch unter den Medikamentenbegriff fallen.

Und noch dazu kommt, dass die Droge im medizinischen Sinne, die wegen ihrer psychopharmakologischen Wirkung die größte Anzahl körperlich und psychisch Abhängiger überhaupt hervorbringt und dabei an erster Stelle aller vermeidbaren Todesursachen in der Statistik steht - die Anzahl der heute lebenden Deutschen, die durch ihren Gebrauch. auf qualvolle Weise zu Tode kommen wird, liegt in der Größenordnung einer oder zweier Millionen, nicht bei einigen Hunderttausenden (13) - von niemandem als Droge bezeichnet und vom Gesetzgeber unter den "Lebensmitteln" geführt wird. (Tabak)

Bei so erstaunlicher Begriffsverwirrung muss man an ein Wunder von Zufallskonstellationen glauben oder aber ernsthaft die Frage prüfen, aus welchen Quellen oder zu wessen Vorteil hier im Verlauf einer Jahrzehnte-langen kontinuierlichen Einflussnahme ein Artefakt entstanden ist, dessen negative Auswirkungen auf Volksgesundheit und Allgemeinwohl -von der Tötung alter Menschen und der Vernichtung lebensunwerten Lebens wird hier wegen ihrer Verfassungswidrigkeit abgesehen - nahezu ungeheuerlich ist. Will sagen: "Die Begriffsverwirrung ist ein probates Mittel zur Erreichung illegaler Ziele mit legalen Mitteln."

.2 Psychopharmaka:

Die in der Bundesrepublik jedem Arzt zugänglich gemachte "Rote Liste" der im Handel befindlichen pharmazeutischen Präparate (14) enthält eine Rubrik "Psychopharmaka" mit einer Klassifikation der psychisch aktiven Medikamente, die aus einer Reihe von Gründen sehr zu wünschen übrig lässt. Deshalb soll hier von der Einteilung ausgegangen werden, die in dem amerikanischen Pharmakologie-Lehrbuch von Geldmann und Goalmann verwendet wird (15). Diese Einteilung (Kapitel 12, Seite 152) unterscheidet

1) anti-psychotische,
2) anti-depressive und
3) angstlösend-sedative Medikamente.
Die Verwendung dieser auf die Psyche wirkenden, bzw. das menschliche Verhalten ändernden Medikamente hat in den letzten 20 Jahren ganz außerordentlich zugenommen, betrifft an die 20% aller ärztlichen Verschreibungen (15) und lässt sich auf einige wenige Gruppen von mehr als 1500 als psychoaktiv beschriebenen Verbindungen reduzieren.
Die angstlösend-sedativen Medikamente sind die heute am häufigsten verschriebene Medikamentenklasse überhaupt. Unter ihnen sind die häufigst benutzten Klassen Meprobramat (Aneural, Cyrpon, Miltaun u.a.) und die Benzodiazepine (Adumbran, Demetrin, Lexotannil, Librium, Nobrium, Praxiten, Tavor, Valium u.a.) von denen wiederum Valium das wohl häufigst verschriebene Medikament ist und den Umsatz und das Produktionsvolumen einer vorher bereits riesigen Firma auf ein Mehrfaches gesteigert hat.
Obwohl diese Medikamente auch zu den Nebenwirkungs-armen gehören, ist ihre Verwendung in diesem Ausmaß keineswegs unbedenklich, was einsichtig wird, wenn man bedenkt, dass sie eingeführt wurden, nachdem sich herausgestellt hatte, dass eine Reihe von Tierarten sich unter ihrer Wirkung wesentlich besser zähmen lassen. Man muss annehmen, dass infolge der medikamentenbedingten Erhöhung der Toleranz viele soziale Entgleisungen und andere unerwünschten Entwicklungen vorkommen, die von den betreffenden Personen wohl verhindert oder abgestellt worden wären, wenn sie keine angstlösend-sedierenden Medikamente eingenommen hätten.Auf die anti-depressiven Medikamente soll in diesem Zusammenhang nicht eingegangen werden, weil ihre Verwendung gegenüber den anti-psychotischen und den eben besprochenen Medikamenten zahlenmäßig geringer ist, weil sie möglicherweise, was das Verhältnis von erwünschter und unerwünschter Wirkung ist, besser sind, als die als anti-Psychotika verwendeten Medikamente, vor allem aber, weil der Autor diesbezüglich keine beruflichen oder literarischen Erfahrungen besonderer Art hat.
Die anti-psychotischen Medikamente werden verwendet zur Behandlung der Schizophrenie, organischer Psychosen und der manischen Phase des manisch-depressiven Irreseins, wie es im Lehrbuch heißt "most appropriately" (15 -Seite 156). Andere Anwendungsmöglichkeiten, die angegeben werden, sind Alkoholismus (alkoholische Halluzinose im Gegensatz zum Delirium tremens), Übelkeit und Erbrechen (in nicht-sedierenden Dosen) und unheilbarer Schluckauf.
Wesentlich für die anti-psychotische Wirkung dieser Medikamente ist die Tatsache, dass sie "stark beruhigen und entspannen, obwohl ihre Schlafwirkung vorübergehend ist, schwach bleibt oder fehlt (16 - Seite 145)." Im englischen Sprachgebrauch hat sich für diese Klasse von Medikamenten der Begriff "major tranquillizer" im deutschen der Begriff "Neuroleptika" eingebürgert.
.3 Die Neuroleptika:
Strukturell gehören zu den Neuroleptika die Phenothiazine (Megaphen, Protactyl, Psyquil, Melleril, Dapotum, Lyogen, Omca, Decentan, Largactil u. viele andere), die Thioxanthene (Taractan, Truxal u.a.), die Butyrophenone (Haloperidol, Sigaperidol), die Rauwolfia Alkaloide (Reserpin bzw. Sedaraupin u. Serpasil) und die Dibenzodiazepine (Clozapin bzw. Leponex). Allein die Phenothiazine gehören zu den in der medizinischen Praxis am häufigsten verwendeten Medikamenten. Naturgemäß gibt es über eine Gruppe so häufig verwendeter Medikamente eine Fülle von Literatur, Einzelarbeiten, Abschnitte in Lehrbüchern, Monographien, Bücher, die zu referieren hier nicht möglich ist. Im folgenden soll es darum gehen, einige bekannte aber wenig verbreitete Tatsachen hervorzuheben, die die weite Verbreitung dieser Substanzen kritisch beleuchten und dazu einige weitere Arbeiten an zu fuhren, deren Ergebnisse nahezu unbekannt sind.
Allgemein bekannt und geläufig sind die als "extrapyramidal" klassifizierten, eine Alterskrankheit, den "Parkinson" simulierenden Nebenwirkungen: "Verminderung der Spontanbewegungen, Rigor und Tremor der Muskulatur, Maskengesicht und Rigor der Extremitäten mit Zahnradphenomen ... Dyskinesien, ähnlich der Dystonie oder auch Torsionsspasmen mit choreiformen, ballistischen und myoklonischen Bewegungsstörungen, gelegentlich Blickkrämpfe, Trismus und Akathisie (eine 'Unfähigkeit zu sitzen, motorische Unruhe und ständiger Bewegungsdrang vor allem der Füße, aber auch der Hände)." (17, S. 477f) Diese Nebenwirkungen werden in Kauf genommen angesichts der Schwere der Grundkrankheit, der Psychose, und der Tatsache, dass sie mit anti-Parkinson-Mitteln weitgehend kontrollierbar sind.
In diesem Zusammenhang sind aber zwei Tatsachen anzuführen:
1) dass diese Nebenwirkungen für das Personal in Kliniken, in denen die Beweglichkeit von psychotischen Patienten auf der Station naturgemäß ein Betreuungsproblem darstellt, eher angenehm, als unangenehm sind, Medikamente also von Ärzten oft emphatisch positiv bewertet werden, während sie für den-Patienten sicherlich sehr unangenehm sind ("das Zähneputzen wird eine echte körperliche Leistung") und
2) dass der Unbefangene diese medikamentösen Wirkungen (das Maskengesicht, die Bewegungen der Füße u.a.) intuitiv sofort wahrnimmt und der Geisteskrankheit selbst zuschreibt. Deshalb ist es nahezu unmöglich, einen mit Neuroleptika behandelten Menschen auf einem Arbeitsplatz unterzubringen (z.B. als Buchhändler), der in irgend einer Weise Parteiverkehr mit sich bringt.
Nach allgemeiner medizinischer Lehre muss der als schizophren klassifizierte Patient Neuroleptika als Dauermedikation einnehmen, d.h. nach der akuten psychotischen Episode gilt eine niedrige Dosis von Neuroleptika als Prophylaxe des neuen Schubes. Die Folge ist nicht unbedingt eine medikamentös bedingte Arbeitsunfähigkeit aber eine medikamentös bedingte Arbeitslosigkeit.
Ein tierexperimenteller Befund mag dies noch veranschaulichen. "Tiere zeigen Muster der Selbstapplikation von Medikamenten, die denen des Menschen frappierend ähnlich sind, wenn man ihnen dauernden Zugang ermöglicht... Manche Drogen (z.B. Chlorpromazin (der Prototyp Nr.1 der Neuroleptika)) werden niemals selbst appliziert; sie scheinen im Gegenteil widerliche Eigenschaften zu haben, und die Tiere lernen Manöver zu vermeiden, die auf die Injektion kleiner Dosen solcher Medikamente hinauslaufen. Andererseits werden Tiere einen Hebel öfter als viertausend Mal drücken, um eine einzige Injektion von Kokain zu erhalten ... Tiere, die selbst Morphin anwenden werden in einer Periode von Wochen die Dosis langsam erhöhen und dann die Dosis auf einem festen Niveau halten, das sowohl wesentliche Toxizität als auch Entzugssymptome vermeidet..." (15, S. 286).
In der psychiatrischen Praxis bedeutet dies, dass Patienten außerhalb der Klinik die Neuroleptika absetzen und deshalb, wenn sie rückfällig bzw. psychotisch werden hospitalisiert bleiben, damit die Einnahme von Medikamenten erzwungen werden kann. Sowohl die Hospitalisierung zu diesem Zweck als auch die verschiedenen Methoden der Anwendung von Zwang zur Einnahme von Neuroleptika bis hin zur mechanischen Fesselung an vier Extremitäten oder zur Überwältigung mit Festhalten durch vier Personen, die je eine Extremität halten und einer fünften, die das Neuroleptikum injiziert, sind - im Gegensatz zur Appendektomie wider Willen - juristisch gedeckt und gelten weder als Körperverletzung noch als Freiheitsberaubung.
So sind die Neuroleptika schon auf den ersten Blick keine sehr guten Medikamente und es entsteht die Frage, warum sie von psychiatrischer Seite so außerordentlich gelobt werden. Ein Grund dafür, das wesentlich erleichterte Management der psychiatrischen Stationen ist schon genannt worden. Es gibt aber noch andere Tatsachen, deren Interpretation nur auf einer ganz anderen Ebene möglich ist, auf einer Ebene, auf der auch die Verminderung der Chancen, einen Arbeitsplatz zu finden, oder in einer natürlichen Familie zu leben, nicht negativ zu bewerten sind, die Ebene der Ausmerzung von Kranken im Sinne der alten Eugenik oder Rassenkunde. Dass die Neuroleptika keine heilenden Medikamente sind, steht auch in den gängigen psychiatrischen Lehrbüchern: weder hört die Schizophrenie auf längere Sicht auf noch wird im akuten Stadium die eigentliche Psychose eliminiert; z.B. hört ein Patient, der "Stimmen" hörte, nach neuroleptischer Medikation durchaus seine Stimmen weiter: die Wirkung der Neuroleptika kommt hinzu und er kann nicht mehr ausagieren. Das muss nicht so sein - bei manchen fallen auch die Stimmen weg - ist aber häufig, was genauer heißt: die antipsychotische Wirkung der antipsychotischen Medikamente ist nicht genau eine antipsychotische.
Die eigentliche Wirkung der Neuroleptika - und das ist seit langem bewiesen aber unter den Anwendern wenig verbreitet - ist die "kompetitive Hemmung von Dopamin als Neurotransmitter". Dazu ist einiges wenige zu sagen. Die Leitung von Erregungen von Nerv zu Nerv ist an "Botenstoffe" gebunden, das sind die Substanzen, durch deren Ausscheidung am Nervenende an einer Verbindungsstelle, genannt "Synapse"-der Rezeptor des anderen Nerven angeregt wird und die Erregung weiterleitet. Es gibt viele verschiedene solche Neurotransmitter-Substanzen, die bekanntesten das Adr
nalin für das sympathische Nervensystem, das Acethylcholin für das parasympathische und eben das Dopamin für die dopaminergischen Synapsen im Zentralnervensystem. Bewiesen wurde der Zusammenhang zwischen Wirkung der Neuroleptika und dopaminergischen Strukturen Anfang der siebziger Jahre, dargestellt in (15, S. 160) und (18). Danach kann man davon ausgehen, dass alle neuroleptisch wirksamen Phenothiazine, Butyrophenone usw. in Wettbewerb mit dem Dopamin treten, weil sie für den Rezeptor ununterscheidbar ähnlich aussehen, nicht aber geeignet sind, als Überträger zu funktionieren. (Von allen optischen Isomeren der Neuroleptika ist jeweils nur die Form wirksam, die dem wirksamen Isomer des Dopamins, der L-Form, konfigurativ entspricht.) Durch diese kompetitive Hemmung fallen also in statistischer bzw. zufälliger Verteilung alle Synapsen in der Nervenleitung aus, die von einem Molekül des Neuroleplikums blockiert sind. Welche Synapsen das sind, fuhrt weit in die Neurophysiologie, jedenfalls sind aber die Bahnen vom Thalamus zum Großhirn (die integrierten Impulse der sinnlichen Wahrnehmung leitende Bahnen), Bahnen im Großhirn und Bahnen vom Großhirn ins Rückenmark, also Fühlen, Denken und Motorik betroffen und dies abhängig von der Dosis.
Fühlen, Denken und Motorik sind zwar wichtig für das soziale Funktionieren, nicht aber für das körperliche Überleben. Offensichtlich werden aber auch die Synapsen anderer Zentren betroffen:
3. Wirkungen auf das Herzkreislauf-System: Die Wirkungen von Chlorpromazin auf das Herzkreislauf-System sind komplex weil die Droge direkte Effekte am Herzen und den Blutgefäßen hat und außerdem indirekte Effekte über das Zentralnervensystem und die autonomen Reflexe. Beim normalen Menschen erzeugt die intravenöse Anwendung von Chlorpromazin einen Blutdruckabfall im Stehen, die auf die Kombination von zentraler Wirkung und α-adrenergischer Blockade zurückzuführen sind, und eine reflektorische Tachykardie. Die orale Behandlung bewirkt eine milde Blutdrucksenkung, wobei der systolische Blutdruck mehr als der diastolische betroffen ist. Gegenüber dem blutdrucksenkenden Effekt entwickelt sich Toleranz, so dass nach einigen Wochen der Anwendung der Blutdruck wieder normal wird.. Jedoch kann ein geringes Ausmaß an othostatischem Blutdruckabfall immer bestehen bleiben ...Chlorpromazin hat auch eine direkte schwächende Wirkung auf das Herz." ... (15, S. 162), also auch lebenswichtige Zentren sind betroffen.
Ein anderer Lehrbuchautor schreibt: "2. Cardiovaskuläre Nebenwirkungen spielen eine große Rolle. Gegen die orthostatische Hypotonie nach oraler oder parenteraler Applikation von Phenothiazinen entwickeln die Patienten bald eine gewisse Toleranz; zu Beginn der Behandlung kann es jedoch zu schweren neurozirkulatorischen Kollapszuständen kommen. Bei den neueren Phenothiazin-Abkömmlingen treten solche hypotonen Reaktionen offenbar seltener auf. Wenn es zu einem Schockzustand gekommen ist, sollte man den Patienten warm halten und die unteren Extremitäten hoch lagern. Sauerstoff und Vasokonstriktoren wie Noradrenalin und Phenylephrin sind manchmal angebracht, wobei aber zu beachten ist, dass die Noradrenalin-Wirkungen in Anwesenheit adrenolytisch wirkender Substanzen unter Umständen paradox ausfallen." (17, S. 478)
Das bedeutet nicht weniger, als dass die übliche Therapie für einen Kreislaufkollaps ins Gegenteil umschlagen kann, das heißt aber, sie führt vom Schockzustand in den Tod. Der Autor schließt den Absatz denn auch mit: "EKG-Veränderungen beobachtet man nicht ganz selten, weshalb auch bei Herzkrankheiten bezüglich der Anwendung von Phenothiazinen und Imipramin Zurückhaltung geboten scheint."
So zurückhaltend diese Empfehlung der Zurückhaltung gegeben wird, so zurückhaltend scheint sie auch aufgenommen zu werden. Wer die Praxis in psychiatrischen Kliniken und in den fachärztlichen Praxen gesehen hat, wird dort selten Elektrokardiographen oder auch nur Personal mit Blutdruck-Apparaten sehen. Von Zurückhaltung gegenüber Herzkranken ist ebenfalls nicht zu reden, jedenfalls wenn man die Anwendung von Neuroleptika als Sedativum für erregte alte Leute in Betracht zieht, wovon weiter unten noch die Rede sein soll.
Da unsere Darstellung zu ausführlich werden müßte, sei die Lektüre der Übersichtarbeit von D. Pieschl "Die kardiovaskulären Wirkungen der Neuroleptika nach dem heutigen Erkenntnisstand" Nervenarzt 44, 212-215 (1973) an dieser-Stelle empfohlen. Im folgenden soll davon ausgegangen werden, dass dieser Text bekannt ist. (19)
Wir müssen also verstehen, dass alle Neuroleptika nicht nur unangenehme, sondern auch lebensgefährliche Medikamente sind und die Tatsache, dass sie auch gegen den Willen des Kranken - also mit physischer Gewalt - in seinen Körper gebracht werden können, von diesem Gesichtspunkt aus bewerten.
Zwei weitere lebensgefährliche Nebenwirkungen, die noch nicht betrachtet wurden, sollen hierzu angefügt werden: Die erste wird zitiert (17, S. 479):
"4. Blutveränderungen und Agranulozytose sind selten, aber natürlich sehr gefährlich; sie wurden bei den meisten Phenothiazinen in der Frühphase der Behandlung (d.h. in den ersten zehn Wochen) gelegentlich beobachtet."
Agranulozytose bedeutet den sicheren Tod. Dass sie bei allen Phenothiazinen auftritt ist in Zusammenhang mit der Kampagne zu sehen, die dazu führte, dass Leponex (Clozapin), das einzige Neuroleptikum mit nur sehr geringen Nebenwirkungen extrapyramidaler Art, in der Bundesrepublik aus dem Verkehr gezogen wurde, noch dazu mit höchst fragwürdiger Argumentation (20). Die zweite lebensgefährliche Nebenwirkung wird in (17) nicht erwähnt und soll hier durch eine Arbeit aus berufenem Munde ersetzt werden: H. HELMCHEN und H. HIPPIUS: "Depressive Syndrome im Verlauf neuroleptischer Therapie", Nervenarzt 38, Seite 455-458, 1967. Auch dieser Text soll im folgenden vorausgesetzt werden. Die merkwürdigen Implikationen des letzten Absatzes kurz vor der Zusammenfassung sollen noch eigens besprochen werden. (21- der Absatz ist auf Seite 4, Spalte 2, Absatz 4 unten zitiert.)

Zum Abschluss dieser Betrachtung der Neuroleptika als anti-psychotische Substanzen sei noch eine Arbeit referiert, die die Frage der therapeutischen Wirksamkeit in einer kontrollierenden Studie erhärtete (22) Aus der Zusammenfassung ergibt sich:

a) zwischen Aufnahme und Entlassung zeigen mehr Patienten mit Neuroleptika eine Besserung im klinischen Sinne (78%) als Patienten, die mit Placebos behandelt wurden (57%).

b) Zwischen Entlassung und Nachuntersuchung (3 Jahre später) zeigten etwas mehr Patienten (85%), die in der Klinik Placebos erhalten hatten, eine Besserung als Patienten, die in der Klinik Chlorpromazin (erster Prototyp der Neuroleptika) erhalten hatten (77%).

c) Die Patienten auf Placebos zeigten nach der Entlassung signifikant höhere Raten an klinischer Besserung und signifikant geringere Häufigkeit en an Rückfällen als eine vergleichbare Gruppe von Patienten, bei denen man fand, dass sie keine Phenothiazine mehr nahmen, die aber in der Klinik Neuroleptika erhalten hatten.

Alles in allem scheint also die Qualität einer Klasse von Medikamenten von großer Fragwürdigkeit, die in außerordentlicher Menge, für enorme Summen Geldes einer Gruppe von Kranken gegeben werden, die große Summen an Krankenkosten verursachen, ein großes soziales Problem bleiben und bei vielen Personen schon zum Kernpunkt eines öffentlichen Ärgernisses werden, das in Aktion und Reaktion politische Ausmaße anzunehmen beginnt. Weiter unten soll die Frage erörtert werden, ob andere Medikamente oder andere Behandlungen für diese Patientengruppe vorhanden sind

.4 Drogen:

In der folgenden Darstellung sollen Drogen im wesentlichen vom therapeutischen Aspekt behandelt werden. Die weit verbreiteten Ansichten über deren "satanische" Eigenschaften als Mittel, die süchtig machen, beziehungsweise deren negative Wirkungen bei unwissendem Gebrauch einerseits und bei illegalem Erwerb und Gebrauch andererseits werden hier als bekannt vorausgesetzt.

Vorab eine Aufzählung der wichtigsten Klassen:

a) Drogen vom Morphin-Typ
b) Drogen vom Amphetamin-Typ
c) Drogen mit psychotoxischen Eigenschaften.
Die dritte Gruppe kann wieder unterteilt werden in:
c-1) Drogen vom LSD-Typ
c-2) Drogen vom Cannabis-Typ
c-3) Cocain-haltige Drogen.
Diese Unterteilung erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, ist aber doch kompatibel mit der von der WHO vorgeschlagenen Einteilung (Die Unterscheidungen sind da: a) Morphin-, b) Barbiturat-Alkohol-, c) Cocain-, d) Cannabis-, e) Amphetamin-, f) Khat und g) Halluzinogen (LSD)- Typ. (23). Die Auslassung von Khat scheint in dieser für die BRD gedachten Zusammenstellung vertretbar, weil Khat bei uns nicht verwendet wird, die Auslassungen von Barbituraten und Alkohol deshalb, weil sie nach dem Sprachgefühl bei uns nicht unter "Drogen" fallen. Dennoch soll weiter unten auch von Alkohol und Barbituraten die Rede sein, wie auch teilweise schon in den Vorbemerkungen,
Gegen die WHO-Einteilung ist mindestens zweierlei einzuwenden: a) die Zusammenfassung von Alkohol und Barbituraten, für die nur bestimmte medizinische Argumente sprechen (die Gefährlichkeit der körperlichen Entzugssyndrome ist weitgehend gleich und auch die medikamentöse Unterstützung beim Entzug, nicht aber die sozialen und psychologischen Ursachen der Entstehung und die Einschätzung im öffentlichen Bewusstsein) und b) die Auslassung des Zigaretten- bzw. Tabak-Mißbrauchs, mit enormen negativen Auswirkungen auf die Volksgesundheit besonders der zivilisierten Länder. Im übrigen geht auch die Verwischung der pharmakologisch höchst sinnvollen Unterscheidungen zwischen der körperlichen und der nur psychischen Abhängigkeit auf die Weltgesundheitsorganisation zurück.
.5 Die heilende Wirkung von Drogen.
Wenn hier von heilender Wirkung die Rede sein soll, dann von der Heilung psychischer Krankheiten, wobei hier der psychiatrische Krankheitsbegriff konsequent angewendet wird, ohne dass der Autor mit diesem Krankheitsbegriff einverstanden ist. Gehen wir einmal von der Beschreibung der Aufgaben der Psychiatrie aus, die Freedman und Redlich in ihrem Buch (17) geben:
"Die Psychiatrie ist das Spezialfach der Medizin, das sich mit der Erforschung, Diagnostik, Therapie und Prävention von Verhaltensstörungen befasst... Was sind nun diese sogenannten Verhaltensstörungen, mit denen es der Psychiater therapeutisch zu tun haben soll? Der Terminus ist nicht leicht zu definieren. Es handelt sich dabei jedenfalls um das Vorliegen bestimmter Verhaltensmuster - verschiedentlich beschrieben als abnorme, subnormale, unerwünschte, inadäquate, unangemessene, unangepasste oder fehlangepasste Verhaltensweisen -,deren gemeinsames Kennzeichen es ist, dass sie zu den Normen und Erwartungen des sozialen und kulturellen Systems, dem der Patient angehört, im Widerspruch stehen. ...Gehirnerkrankungen im medizinischen Sinne lassen sich jedoch bei der Mehrzahl der Verhaltensstörungen nicht nachweisen ...Was im einzelnen zu den Verhaltensstörungen zählt, hängt von der jeweiligen Kultur bzw. deren Wertsystem ab. Die Kultur bestimmt auch, welche Maßnahmen jeweils als psychiatrische Behandlung gelten..."
Abgesehen davon, dass diese Feststellungen eine eigenen langen Kommentar wert wären, da sie eine Reihe von Phänomenen erklären, die mit den sonst in der Medizin üblichen Krankheitsbegriffen nicht erklärbar sind (wie die beobachtbare Nichtachtung der Psychiater für Behandlungsmethoden, die in anderen Ländern für erfolgreich gehalten werden), und abgesehen davon, dass die Begriffe sich auch auf die Drogen-Einnahme selbst oder sogar deren Verschreibung durch den Arzt anwenden lassen - man denke an die Lobby, die das Wertsystem in Richtung der teurer verkauften Medikamente verschiebt, wie bei Valoron gegenüber Methadon u. Morphin, oder neuerdings Methaqualon gegenüber den Barbituraten -, soll nur einmal des Argumentes halber die Kriminalität als Verhaltensstörung betrachtet werden.
Es gibt eine Reihe von Arbeiten, aus denen hervorgeht, dass die Behandlung mit Methadon - einem Mittel, das in seiner Wirkung nur zeitliche Unterschiede zu Heroin oder Morphin aufweist - das kriminelle Verhalten der Abhängigen in einer Weise reduziert, die weit über die sogenannte Beschaffungskriminalität hinausgeht (24,25,26). Immer wieder wird von Ärzten die Frage aufgeworfen, inwieweit die Abhängigkeit von Opiaten einem Selbstheilungsbedürfnis der Süchtigen entspricht(27). Es ist erwiesen (mit dem bekannten MMPI-Persönlichkeitstest), dass Kriminelle, Heroinsüchtige und Alkoholiker sehr ähnliche Persönlichkeitsprofile zeigen (28). Dabei ist nicht einmal die Idee der Behandlung von Kriminellen mit psychiatrischen Methoden in der BRD ein ferne liege
der Gedanke - im Gegenteil sind die Vorbereitungen längst abgeschlossen und Behandlungen schon im Gange. Ferne liegt nur der Gedanke, den Gefangenen in einer Weise zu behandeln, die diesem angenehm ist und ihm keinen gesundheitlichen Schaden zufügt, außer dem, dass er abhängig ist und Medikamente einnehmen will wo er nur Medikamente einnehmen soll (z.B. Neuroleptika).Die heilende Wirkung von Drogen ist aber noch viel konkreter und härter an der allgemein medizinischen Definition von Krankheiten zu beschreiben. Ein erster Schritt - noch nicht der entscheidende -in dieser Richtung ist die Erwähnung der Verwendung von Opiaten vor Operationen. Diese Verwendung läßt sich im oben definierten Sinne aus psychiatrischer Sicht rechtfertigen. Angst vor der Operation führt häufig zu einem "Verhaltensmuster.. da zu den Normen und Erwartungen " der Chirurgen im Widerspruch steht. Sie verwenden deshalb mit Erfolg Opiate zur Bekämpfung der Angst. Dass die Folge davon eine Einsparung von Narkosemitteln ist, bedeutet nicht, dass die Betrachtung der Gabe von Opiaten zur Überwindung der Angst als psychiatrische Maßnahme fehl geht. Man darf Opiate zu den besten Medikamenten gegen Angst rechnen, weil sie richtig dosiert keine gefährlichen Nebenwirkungen haben, wenn man von der Gefahr der Süchtigkeit absieht, sogar wesentlich weniger als Meprobamat und die Benzodiazepine. Auch die Tatsache, dass die Truppen der USA in Vietnam so viele Fälle von Heroinsucht hatten, mag unter diesem Gesichtspunkt gesehen werden.
Das Suchtpotential des Heroins unter den Bedingungen extremer Angst erscheint nach den Erfahrungen mit den süchtigen US-Soldaten in einem anderen als dem weit verbreiteten Licht, wenn man erfährt, dass von 348 in Vietnam Opiat-süchtigen Soldaten nur 9% fortfuhren, Opiate einzunehmen, nachdem sie wieder in den USA waren (29). Aus vielen klinischen Erfahrungen erscheint Morphin (und damit Heroin oder Methadon) als Mittel gegen extreme Angst ein sehr viel besseres Medikament als die in der Medizin verwendeten Mittel von der Klasse der "minor tranquillizer" (Prototyp das Valium). Wenn der Arzt es mit extremer Angst zu tun hat, wie z.B. beim Herzinfarkt, gibt er Morphin und nicht Valium. So entsteht wieder die Frage, ob Menschen, die unter extremer Angst zu leiden haben, nicht - sofern sie den Zugang haben und die entsprechenden Kenntnisse- aus dem sinnvollen Motiv der Selbstheilung zu Opiaten greifen, sogar wenn das illegal ist.
Zu den schlimmsten Ängsten, die ein Mensch haben kann, gehört die Angst, "verrückt" zu werden. Noch viel schlimmer muß die Angst für den sein, der nicht nur Angst, sonder aus Erfahrung begründete Furcht haben muß, in ein Stadium des Irrsinns einzutreten.
Es ist daher interessant, dass schon im Jahr 1787 von William Perfect das Opium als ein Mittel beschrieben wurde, den Irrsinn zu heilen: "Select Cases in the Different Species of Insanity, Lunacy or Madness with the Modes of Practice as Adopted in the Treatment of each (30) In dieser Arbeit beschreibt Perfect, wie er psychotische Menschen in eine kleine Behandlungsstätte aufnahm, von anderen isolierte und mit Opiumtropfen in steigender Dosis einige Monate behandelte, dann wieder schrittweise entzog und entließ: "I restored him to his friends in the state of sanity, which he has happily preserved to the present period."
Dieses Vorgehen ist nicht nur nach der klinischen Beschreibung offensichtlich korrekt, sondern auch nach neueren pharmakologischen Kenntnissen. Es wurde schon erwähnt, dass die Anti-Psychotika allesamt Dopamin-Antagonisten, also die Dopamin-Wirkung hemmende Medikamente, sind. Das sind auch die Opiate, was kein Pharmakologe bestreiten, aber ein Psychiater nicht gerne erwähnen wird. M.S. Gold und fünf andere Autoren von der Yale Universität berichten darüber in "The Lancet" 1977. Sie zeigen, dass die pharmakologischen Tests, die für die Suche nach Antipsychotika verwendet werden, auch für Opiate positiv ausfallen, und werten diese Befunde als eine Beweis für die Richtigkeit ihrer eigenen klinischen Erfahrungen, nach denen Opiate beim Menschen antipsychotisch wirken können und als Bestätigung des anekdotischen Berichts von William Perfect. (31) Der Mechanismus auf den der Dopaminantagonismus zurückgeht, ist allerdings ein anderer, als der der kompetitiven Hemmung, durch den die Neuroleptika wirksam werden. Das wird ausführlich belegt von H. Lal (32), ergibt sich schon aus den Tierexperimenten, bei denen Chlorpromazin nicht, Morphin aber wohl selbst appliziert wurde und ist ganz offensichtlich aus der Erfahrung, dass die Nebenwirkungen der Neuroleptika von den Patienten als höchst unangenehm empfunden werden, während die Wirkung der Opiate wohl als angenehm anzusehen ist. Wenn man bedenkt, dass Methadon in millionenfacher Anwendung erwiesenermaßen ein weitgehend ungefährliches Medikament auch für die langfristige Behandlung ist, dass Patienten, die es täglich einnehmen, ohne Einschränkung arbeitsfähig sind, und sicherlich billiger als die Neuroleptika, wird die Frage, warum es nicht wenigstens als Anti-Psychotisches Medikament versucht worden ist, doch von Interesse.
Natürlich mag man einwenden, dass Methadon, wie alle Opiate, süchtig macht. So sehr dieses Argument aber gegen die Verwendung von Opiaten als Angstlösende Droge spricht - sofern die Angst chronisch und nicht extrem ist - so wenig wiegt es im Fall der Schizophrenie, wo ja gerade die Weigerung des Patienten, die Neuroleptika täglich einzunehmen, ein sehr schweres Problem geblieben ist, das in vielen Fällen zur Hospitalisierung über lange Perioden führt. Aber auch dieses Argument entfällt, wie sogleich an einem Beispiel und weiter unten ausführlicher gezeigt werden wird.
Im Jahr 1978 berichten Berken und andere im American Journal of Psychiatry über die Behandlung eines Falles von Schizophrenie, der davor mit keiner Methode - Neuroleptika, Elektroschock u. 13 klinische Einrichtungen waren erfolglos geblieben - zu beherrschen war, mit Methadon aber erfolg reich behandelt, genauer gesagt, geheilt worden ist. Die Patientin wurde über drei Jahre mit Methadon behandelt und konnte dann von dem Arzt, der während der Behandlung eine gute Beziehung zu ihr aufbauen konnte, erfolgreich entzogen werden. So bleibt nicht einmal das Argument der Süchtigkeit ohne Einwand bestehen. Dass eine Methadon Injektion eine Psychose innerhalb von Minuten behebt, während die Wirkung der Neuroleptika z.T. Wochen auf sich warten läßt, ist ein weiteres Argument.
Angesichts solcher Tatsachen erhebt sich die Frage, welche Ursache der Furor gegen die Süchtigen hat, noch mehr warum in der Bundesrepublik, dem Land mit der mächtigsten pharmazeutischen Industrie, eine so exzeptionelle Kampagne gegen die Methadonbehandlung durch Ärzte im wahren Sinne des Wortes forciert worden ist. Vielleicht aber soll erst diese Kampagne beleuchtet werden, bevor weiter unten ein weiterer Abschnitt über die heilende Wirkung von Drogen - in diesem Fall LSD - folgen soll.



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3 .   P S Y C H O P H A R M A K O L O G I E   U N D   F Ä L S C H U N G E N 

Die bisher besprochenen Differenzen zwischen pharmakologischen Tatsachen und öffentlichen bzw. professionellen Meinungen fallen noch nicht unter die Kategorie der Fälschung. Die körperliche Abhängigkeit, die beim chronischen Gebrauch von Opiaten entsteht, ist in jedem Fall ein Problem, dessen Bewertung so oder so ausfallen kann. Wenn hier das Argument entwickelt wurde, dass Opiate bessere Medikamente für die Behandlung von Psychosen sind als die Neuroleptika, ist doch zu erwarten, dass einige Ärzte wenn nicht die meisten, aber auch einige Patienten sich diesem Argument nicht anschließen werden. Von besonderem Interesse war oben, dass die berichteten Tatsachen so wenig bekannt sind, dass man sich fragen muß, ob hier nicht tendenziöse Aktivitäten eine Rolle spielen.
Im folgenden soll es aber darum gehen, dass im Bereich der Psychopharmakologie echte Fälschungen zu beobachten sind, dies namentlich auf dem Sektor, der in engstem Zusammenhang mit den Problemen steht, die unter die Kategorie "Sucht" fallen.
.1 Spann, Wanke und Keup:
Im folgenden sollen die Erfahrungen des Autors mit den drei Gerichts-Sachverständigen kurz referiert werden, die in seinen Verfahren jeweils die Schlüsselposition hatten, die zur Anklage, Verurteilung und Wieder-Verurteilung führten.
Im Mai 1976 nahm der Autor eine 42jährige heroinsüchtige Amerikanerin in Entzugsbehandlung, nachdem er sich vergewissert hatte, dass die Patientin mehrere Monate erfolglos versucht hatte einen Arzt oder eine Klinik in München dafür zu gewinnen, und dass eine ambulante Entziehung mit Hilfe des Opiats Methadon nach einem amerikanischen Lehrbuch der Pharmakologie zu den allgemein anerkannten Verfahren gehört ((15) S.313)). Im Dezember 1976 erhielt er eine Anklageschrift von der Staatsanwaltschaft wegen Verstoß gegen das BtmG mit der Begründung, dass nach einem Gutachten von Professor Spann et al. die Behandlung von Heroinsüchtigen mit Methadon ein ärztlicher Kunstfehler sei und daher ein Verstoß gegen das BtmG vorliege.
Der Autor antwortete mit einem Zitat aus dem Lehrbuch der Pharmakologie, aus dem hervorging, dass die Feststellung von Spann nicht zutrifft. Im Mai 1977 erfolgte daraufhin eine Haussuchung, bei der alle Aufzeichnungen des Autors über die inzwischen 65 von ihm behandelten Patienten beschlagnahmt wurden. Dabei war der Autor, der sich geweigert hatte, die Tür der Wohnung zu öffnen, weil die Grundlage der Haussuchung ein Falschgutachten sei, von Polizisten überwältigt, seines Schlüssels beraubt und körperlich gezüchtigt worden, indem sein Arm sehr heftig und schmerzhaft verdreht wurde als die Tür schon offen war.
Im Zweitgutachten von Spann et al. aus dem Institut für Rechtsmedizin der Universität München wurde behauptet, der vom Autor zitierte Satz sei falsch zitiert. In dem wie es heißt "sinnvoll aus dem Zusammenhang genommen und richtig ' übersetzten" Zitat der Gutachter wurde der betreffende Satz ausgelassen - obwohl er die auf dieser Seite einzig gesperrt gedruckten Wörter, nämlich "methadone Substitution" enthielt -und dazu eine Passage unterschlagen, aus der hervorging, dass sich inzwischen die ambulante Entziehung als für Süchtige geeignet etabliert habe. Anstelle dieser Passage wurde die entsprechende - aber das Gegenteil besagende - Stelle aus der 10 Jahre älteren Auflage des gleichen Lehrbuchs zitiert (33). Die Auffassung des Autors, dass dieses Vorgehen der Gutachter nicht legitim ist, wurde von seinem Rechtsanwalt, Gunter Widmaier, übernommen und in einem Antrag auf Ablehnung der Sachverständigen wegen Besorgnis der Befangenheit formuliert (34). Professor Spann et al. schieden als Sachverständige ohne jede Begründung aus dem Verfahren aus, obwohl sie noch auf der Ladung zur Verhandlung als ständig anwesende Sachverständige aufgeführt waren.
Ein weiteres Gutachten zur Anklage wurde von den Sachverständigen Wanke und Täschner (Psychiatrisches Zentrum der Universität Frankfurt) am 9.11.77 erstellt. In diesem Gutachten wird unter Hinweis auf eigene Erfahrungen und 70 Quellen die Behandlung von Heroinsüchtigen mit Methadon in Bausch und Bogen als ärztlicher Kunstfehler deklariert und abgelehnt. (35) Eine Analyse des Inhalts dieses Gutachtens im Vergleich zur zitierten Literatur ergibt, dass soweit es sich um Originalarbeiten handelt, keine einzige der Behauptungen der Autoren stichhaltig ist, die sich auf den Kern der Sache bezieht. Es gibt keine Untersuchung, aus der hervorgeht, dass Methadon nicht geeignet ist für die Behandlung von Heroinsüchtigen, aber Tausende, die die Verwendung von Methadon beschreiben. Die Behandlung hat Mängel, indem es schwer ist, die Süchtigen wieder vom Methadon wegzubringen; die in der Medizin verbreitetste Meinung aber ist, dass es keine bessere Behandlung gäbe. Allerdings macht die Bundesrepublik hier eine Ausnahme, indem eine Reihe von Publikationen existieren, die die Behauptung enthalten, die Methadonbehandlung sei ein ärztlicher Kunstfehler bzw. die Behandlung sei abzulehnen. In keiner dieser Arbeiten wird allerdings ausgeführt, was dabei unter Kunstfehler zu verstehen sei, welche bessere Alternative gegeben ist, bzw. inwiefern die gegebenen Alternativen erfolgreicher und weniger schädlich sind, oder welche empirische Untersuchung etwas derartiges ergeben habe. Soweit das Gutachten diese Arbeiten zitiert, zitiert es immer wieder im Sinne der betreffenden Autoren. Insgesamt aber handelt es sich hier nicht um wissenschaftliche Literatur, indem Erfahrungsberichte, Literaturangaben und auch eine überzeugende Theorie fehlen, bei der Behauptung aber, die Methadonbehandlung sei ein Kunstfehler um eine scholastisch etablierte Fälschung der öffentlichen wissenschaftlichen Meinung in der BRD (33).
Die erste dieser tendenziösen Arbeiten und die am meisten zitierte, stammt von Prof. Dr. Wolfram Keup und wurde im Deutschen Ärzteblatt 1973 zusammen mit einer Stellungnahme der "Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft" und des "Ausschuss Psychohygienische Fragen der Bundesärztekammer" publiziert. Dabei taucht der Begriff "ärztlicher Kunstfehler" nicht in der Arbeit von Keup, sondern in der genannten gemeinsamen Stellungnahme auf, allerdings unter Hinweis auf die Keup'schen Ausführungen. Die Arbeit von Keup enthält keinen Erfahrungsbericht des Autors mit Patienten, sondern Überlegungen zu "Erfahrungen" in den USA, die aber weder dargestellt, noch zitiert werden. Da einige dieser "Erfahrungen" im Widerspruch zu der dem Autor bekannten Literatur (mehr als 300 wissenschaftliche Arbeiten) stehen, bat er Prof. Keup um entsprechende Literaturangaben (Brief vom 29.6.79), erhielt aber keine Antwort. In seinen Schreiben an das Gericht hat der Autor sich immer wieder dagegen verwahrt, in diesem Sinne unwissenschaftliche Irrlehren als Lehrmeinung vorgehalten zu bekommen, wobei immer Prof. Keup als Beispiel genannt wurde. Dennoch wurde Prof. Keup zum Sachverständigen in dem zweiten Verfahren im Oktober 1979 gegen den Autor, ohne vorher ein Gutachten zu verfertigen, und ohne der Aufforderung des Autors u. eines zweiten Sachverständigen nachzukommen, die in einer 1979 von ihm angebotenen Literaturangaben vorzulegen (36,37). In seinem mündlichen Gutachten vor Gericht im Oktober 1979 verurteilte Keup die Methadonbehandlung in Bausch un Bogen, dies entgegen den Gutachten dreier Sachverständiger (Dr. Denham, London, Prof. Specht, Göttingen u. Dr. Dr. Friedrich, Freiburg), die sowohl selbst Methadon verwendet als auch das Vorgehen des Autors als lege artis bezeichnet haben. Unter Hinweis auf die von Keup und anderen deutschen Autoren, insbesondere die rot umrandete Stellungnahme der beiden genannten Gremien, wurde der Autor wegen vermeidbaren Verbotsirrtums zu Gefängnis auf Bewährung verurteilt.
Um nun herauszufinden, welche Grundlagen die von Keup dargebotene Lehrmeinung hat, wurden alle seine Arbeiten zum Thema und einige weitere herangezogen.(38) Das Studium dieser Arbeiten ergibt, dass Keup den Inhalt englischsprachiger Arbeiten in seinen deutschen Texten verleugnet, die in einem von ihm selbst im Jahr 1972 als Präsident der Eastern Psychiatric Research Association herausgegebenen Buch publiziert wurden
(39). In diesem Buch kommt das Wort Methadon einige zwanzig Mal im Indexregister vor und keiner der 10 Autoren, die sich zur Behandlung mit Methadon äußern, äußert sich anders als positiv. In einer Bibliographie von 302 Arbeiten zur Methadon-Behandlung, die der Autor unabhängig von den Arbeiten Keups (also noch vor Kenntnis seines Buches) zusammenstellte (40),finden sich 18 Arbeiten von Autoren, die mit Keup an diesem Buch zusammengearbeitet haben. Keine dieser Arbeiten deckt die Sachverständigenaussagen und publizierten Meinungen von Keup. Die einzige literarische Grundlage, die er als Sachverständiger für seine Meinung anführte, eine Stellungnahme von Ausubel von 1966 zur Publikation von Dole und Nyswander über die Methadon(Erhaltungs) -Behandlung Süchtiger im Journal der amerikanischen Ärztekammer, deckt seine Sachverständigenaussage nicht. Das Methadon-Behandlungsprogramm in der Bundesrepublik, das er als Beleg für die Erfolglosigkeit der Methode anführt (41), arbeitete offensichtlich u.a. nach (höchst fragwürdigen) therapeutischen Konzepten, die von Keups "Motivationstypen" (1972) abgeleitet wurden.
Man könnte aus dem oben Gesagten die Meinung gewinnen, Keup sei ein Mann, der nicht wissenschaftlich arbeiten kann und daher in seiner Meinung persönlichen Motiven zum Opfer falle, ohne sich dessen bewusst zu sein. Dagegen sprechen mindestens seine früheren Arbeiten. Ein Buch von ihm 1970 herausgegeben "Origin and Mechanisms of Hallucinations (New York - London, 479 Seiten), enthält unter anderem eine Arbeit von ihm über die Strukturbeziehungen der Halluzinogene, die genaueste Detailkenntnisse wie auch ein ganz außerordentliches literarisches Wissen verrät. Keup stellt darin nicht nur eine Theorie über die Charakteristik aller Halluzinogene auf, sondern referiert auch 141 wissenschaftliche Arbeiten, unter ihnen eine ganze Reihe, die wesentliche Beiträge zur therapeutischen Verwendung der Halluzinogene publiziert haben. Keup hat also zwei Bücher herausgegeben, eines über Halluzinogene und eines über Drogen-Mißbrauch; im ersten zeigt er die genauesten Kenntnisse über die chemische Verschiedenheit von Drogen, im zweiten bringt er eine Arbeit über die Motive von Süchtigen und über deren Behandlung, ohne die verschiedenen Drogen überhaupt zu unterscheiden. Sollte ihm entgangen sein, dass man eine LSD-Psychose mit Heroin sofort beheben kann? Ist ihm entgangen, dass Harris Isbell, den er zu seinen persönlichen Bekannten zählt, das Medikament für eine Untersuchung hergab, mit dem der bisher größte Erfolg erreicht wurde, den eine Kurztherapie bei Heroinsüchtigen herbeigeführt hat, nämlich die sogenannte "hypnodelische" Behandlung von entzogenen Süchtigen in der bekanntesten Suchtbehandlungsstätte der USA in Lexington?
.2 Heilung der Sucht mit LSD:Die Heilung der Sucht hat unter anderem zwei Aspekte: a) wie heile ich eine bestimmte süchtige Person? und b) wie verhindere ich eine Sucht-Epidemie?. Wendet man ein altes, einfaches und auch wissenschaftlich allgemein angewendetes Kriterium der Bibel an: "An den Früchten werdet ihr sie erkennen.", dann waren die Vereinigten Staaten und inzwischen die Bundesrepublik die beiden Länder mit den dramatischsten Erfolgen auf beiden Ebenen in negativer Richtung. Im folgenden soll dargestellt werden, welche Erfahrungen wissenschaftlicher Art in den USA schon vor der Periode des größten Wachstums der Anzahl Heroinsüchtiger bekannt waren.
1963 publizierte die "New York Academy of Medicine" ihren zweiten Bericht über die Drogen-Abhängigkeit, in dem unter Bezug auf den ersten Bericht in den fünfziger Jahren und auf die epidemiologisch positiven Erfahrungen in Großbritannien eine dringende Empfehlung an die Regierung gegeben wird, dem Arzt in den USA die Freiheit zu geben, nach eigenem klinischen Ermessen Süchtige auch substituierend mit Opiaten zu behandeln. Das hat bis auf den heutigen Tag die Epidemie in Großbritannien verhindert. Die Akademie führt aus, das der größte positive Einfluss auf die Verbreitung des Heroinhandels in "Preis und Bestrafung" liegen, indem der Preis durch das Risiko steigt, diese aber wieder durch die Gefahr der Bestrafung. Die Akademie fordert darüber hinaus Straffreiheit für Süchtige und Strafe für Händler, die nicht süchtig sind. (42) Diese Empfehlungen sind, insbesondere die Freiheit der Ärzte, bis heute nicht verwirklicht worden.
1965 publizierten Dole und Nyswander ein Programm zur langfristigen Substitution von Heroinsüchtigen mit Methadon, das damals - wie Ausubel 1966 sehr zutreffend darstellt - an einigen zwanzig Fällen aufs dürftigste begründet wurde und dazu einen schweren Fehler hat: die Süchtigen bleiben süchtig und müssen auf Jahre hinaus mit Methadon behandelt werden, wenn nicht gar für immer. Diese Arbeit ist in mehreren Leitartikeln durch die weitestverbreiteten Zeitschriften aufs emphatischste begrüßt worden. Dennoch dauerte es bis in den Beginn der siebziger Jahre, bis dieses - epidemiologisch sinnvoll mögliche, aber aus vielerlei Gründen nicht wirksam etablierte - Programm verwirklicht wurde. An den Folgeproblemen laborieren die USA noch heute ohne entscheidenden Erfolg herum.
Zur gleichen Zeit, 1965, wurde im American Journal of Psychotherapy eine Arbeit von Ludwig und Levine publiziert, die aus dem bekanntesten amerikanischen Hospital für die Behandlung Süchtiger, dem USPHS-Hospital in Lexington, Kentucky, kam und unvergleichlich viel besser durchgeführt ganz unvergleichlich gute Resultate erbrachte. In einer kontrollierten Studie waren fünf Kurztherapie-Techniken untersucht worden, in denen verschiedene Kombinationen von LSD, Hypnose und Psychotherapie miteinander verglichen wurden. Insgesamt 70 in der Klinik von Heroin körperlich entzogene Patienten waren in vergleichbaren Gruppen mit je einer der 5 Kombinationen behandelt worden. Die Auswertung erfolgte mittels eines "psychiatrischen Bewertungs-Profils", eines Tests mit 11 Skalen (Angst, Depression, Hypomanie, paranoische Ideation, psychotische Ideation, psychosomatische Beschwerden, Zwanghaftigkeit und weiter Selbstkonzept, Problemen -gewachsen-Sein und interpersonelle Beziehungen), wobei man berücksichtigen muß, dass die psychometrischen Methoden dieses Krankenhauses zu den besten in der Medizin überhaupt gehören. Das Instrument wurde in der Studie vor der Kurz-Behandlungstechnik, 14 Tage und 2 Monate danach angewendet. Alle Methoden ergaben signifikante therapeutische Fortschritte, eine aber zeigte sich allen anderen als signifikant überlegen: die "hypnodelische Behandlungstechnik". Dabei erhält der Patient an einem von zehn Tagen nach einer Vorbereitungssitzung (in der eine biographische Anamnese erhoben wird und das Erreichen eines hypnotischen Trance eingeübt wird) in der hypnodelischen Sitzung von dem Arzt, der ihn in der Vorbereitungssitzung kennen gelernt hatte zuerst 2 Mikrogramm /Kg Körpergewicht LSD per Os, wird gebeten, es sich gemütlich zu machen, gefragt, ob er schon etwas merkt (was nach 5 Minuten nicht der Fall sein kann) , dann in einen hypnotischen Trance versetzt und in diesem Trance-Zustand für drei Stunden, während der sich die volle LSD-Wirkung entwickelt, vom Arzt in einem auf Einsicht und Interpretation hin orientierten psychotherapeutischen Gespräch gehalten, wie es von A. Ellis 1957 beschrieben worden war.
Aus technischen Gründen (die Klinik ist in Kentucky, die Patienten kamen meist aus New York) konnten diese psychometrisch bestimmten Erfolge nicht in Bezug auf bleibende Drogenfreiheit vervollständigt werden. (45) Die Autoren berichteten über ihre Ergebnisse auf einer internationalen Konferenz, Amityville im Mai 1965, deren Bericht 1967 in einem Buch: "The Use of LSD in Psychotherapy and Alcoholism", Herausgeber Harold A. Abramson publiziert wurde. (46) Dieser Bericht und die folgende Diskussion macht durchaus die recht ungewöhnlich großen therapeutischen Erfolge und deren Zusammenhang mit der Wirkung von LSD klar.
Die Frage der Drogenfreiheit nach LSD-Behandlung von Heroinsüchtigen wurde in einer späteren Arbeit von Savage et al. geklärt. Durch einen Monat Aufenthalt in einer Wohngemeinschaft einschließlich einer einmaligen Anwendung von LSD erreichten die Autoren bei 33% Drogenfreiheit (verifiziert durch Urinkontrollen) über mehr als ein Jahr, gegenüber 5% Drogenfreiheit in der Kontrollgruppe (47). Damit sei den Bedürfnissen dessen Rechnung getragen, der mit psychometrischen Methoden weniger vertraut ist.
Gehen wir zurück zur Situation in den USA zwischen 1963 und 1970, von der Publikation des Berichts der New York Academy of Medicine bis in die Zeit der Etablierung von Methadon-Behandlungseinrichtungen für mehr als 50 tausend Süchtige: war bzw. konnte es ein Zufall sein, dass ziemlich genau das verhindert wurde, was geeignet gewesen wäre, das Heroin-Suchtproblem sowohl im Einzelfall, als auch epidemiologisch zu lösen? Für jemanden, der wie der Autor seine wesentlichsten sozialwissenschaftlichen Kenntnisse aus den USA bezogen hat und die Qualität der amerikanischen Medizin kennt ist das nicht vorstellbar. Die Entwicklung erscheint vielmehr bis ins Detail verständlich, wenn man davon ausgeht, dass die Absicht bestand, viele Heroinsüchtige zu schaffen und im öffentlichen Bewusstsein diese Absicht unkenntlich zu machen. Dies aber nur in dieser Form: "Für jemanden, der wie der Autor.."
Dabei ist die LSD-assistierte Psychotherapie nicht etwa nur besonders geeignet für die Behandlung der Persönlichkeitsstörungen der Heroinsüchtigen - LSD ist besonders geeignet für die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen aller Art...unter anderem der süchtigen Persönlichkeit. Es gibt in der Weltliteratur kein einziges Mittel, das so dramatische Erfolge bei der Behandlung der dem sozialen Gewicht nach immer noch schwersten Sucht, dem Alkoholismus, gezeigt hat wie LSD - und dies in einer einzigen Anwendung. Die Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre in Fülle erscheinenden Arbeiten berichteten so ungefähr alle über mehr als 50% (aber auch 95%) Heilungen von Alkoholikern, die vorher bis zu acht und zwölf Jahren schwer erkrankt waren, nach einer einmaligen Anwendung einer "psychedelischen" Dosis von LSD, allerdings sorgfältig vorbereitet und unter vollkommen geschützten Umständen. Das bereits erwähnte Buch von Abramson (46) berichtet darüber in extenso. Das Buch berichtet aber auch - einerseits am Rande andererseits in der Einleitung ganz direkt - über die konzertierten Aktionen der Medien (for allem Life, Ausgabe vom 25.März 66) der pharmazeutischen Industrie, der Regierung und bestimmter Geldgebergruppen für medizinische Forschungsprogramme mit den Ergebnis: "In einigen Fällen haben diese Regelungen die Forschung über den Wert von LSD bei der Behandlung schwerer neurotischer Verhaltensweisen aufgehalten bei genau den Ärzten mit der umfangreichsten Erfahrung in der klinischen und experimentellen Nutzung von LSD, die LSD Forschung den Ignoranten und den Böswilligen überlassen." So lautet die Formulierung von Frank Fremont-Smith, MD. ehemaliger Präsident der "World Federation of Menthol Health" und Direktor des interdisziplinären Kommunikations-Programms der New York Academy of Sciences (46, Seite XV).
Zur Frage der Therapie mit LSD verfügt der Autor über mehr als 180 Arbeiten, aus denen mit überwältigender Evidenz hervorgeht, dass LSD in geeigneter Anwendung durch einen in speziellem Sinne damit vertrautem Arzt was die Heilung von Krankheiten, die auf Persönlichkeitsstörungen zurückzuführen sind betrifft, bei weitem das beste Medikament ist, über das die Psychiatrie bisher verfügte (48). Wie Hans Carl Leuner das in der Einleitung zu seinem Buch "Die experimentelle Psychose" Springer Verlag 1962, formulierte: "Die Tatsache, dass LSD eminent therapeutische Wirkungen hat, widerspricht allen gegenwärtigen psychiatrischen Theorien." (zitiert aus dem Gedächtnis nach (49)).
.3 andere Heilungen mit LSD:
Tatsächlich sind die Berichte in Bezug auf Alkoholismus keineswegs die medizinisch erstaunlichsten. Es gibt einige Krankheiten, die noch weniger Aussichten auf Heilung bieten als der schwere chronische Alkoholismus und die mit LSD offensichtlich erfolgreich behandelt wurden: das schwere KZ-Syndrom (Bastiaans 1978 (48)), unheilbare Zwangsneurosen (Brandrup 1977, Leuner 1962 und viele andere (48)), Block der künstlerischen Kreativität (Richards 1977 und Ling 1963 (48)), aber auch psychosomatische Krankheiten mit schlechter Prognose, vor allem Asthma (Abramson 1976, und viele andere(48)), Migräne (Ling 1963 (48)) Ekzeme und sogar Psoriasis (Ling 1963) in der Prager Schule auch Schizophrenie (Hausner 1975 (48)) und psychotische Reaktionen (50) und nach vielen überzeugenden Berichten die Leiden der Sterbenden (z.B. Schulz 1976 und Richards 1972 (48)). Diese Aufzählung muß hier eine ausführlichere Betrachtung - die im Sinne der Sache sehr wesentlich wäre - aus Platzgründen ersetzen. Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass Ende der 60 er Jahre eine Reihe von kritischen Arbeiten zur gerühmten LSD-Therapie erschienen sind (Ludwig und Levine 1969, Johnson 1969, Smart 1967, (48)). So gegeneinander gestellt lassen sie die Frage kontrovers erscheinen, wenn gleich man sich bei manchen des Eindrucks nicht erwehren kann, die oben zitierte Äußerung von Frank Fremont-Smith treffe auf die Autoren zu. Überzeugender sind die Stellungnahmen von Kurland 1971 und Clyman 1972 (48), die die Entscheidung der weiteren Forschung anempfehlen. Da aber kommt wieder zum Tragen, dass die Forschung - außer in den Ostblockstaaten (Hausner 1975 und Rydzynski 1978)-offensichtlich drakonisch beendet wurde. Ein überzeugendes Gefühl für die Tragik dieser Entwicklung gibt ein Aufsatz von Abramson 1973, der darlegt, dass über 3000 Arbeiten, die die therapeutische Verwendung von LSD unterstützen, diese politische Entwicklung nicht aufzuhalten vermochten. Das neue Buch von Albert Hofmann (51) weckt allerdings - berechtigt genug - eine gewisse Hoffnung für die Zukunft der LSD-Therapie.Das für den Naiven Unglaubliche an der - wie es scheint - totalen und mit Unterstützung der Mächtigen aller Sparten geführten Unterwerfung einer hoffnungsvollen Therapie im Bereich der Psychiatrie ist, dass keine der ernst zu nehmenden Kritiken an dieser Therapie auch nur den Versuch gemacht hat, ihre Gefährlichkeit für den lege artis behandelten Patienten zu erweisen. Während die Psychiater aller Länder offenbar ohne Bedenken über Jahrzehnte somatische Therapien einzusetzen, bei denen die Mortalität pro Behandlung bei 1 % und darüber lag (von der Kardiazol-Krampftherapie, über Koma-Therapien, Insulinschocktherapie bis hin zu Elektroschock, Lobotomie und Pharmakotherapie mit den Neuroleptika) ist noch nie ein Todesfall durch direkte Einwirkung von LSD am Menschen beschrieben worden. Auch gibt es - außer der psychischen und einer psychisch bedingten Weitstellung der Pupillen - keine Nebenwirkungen dieses Medikaments, die eine körperliche Schädigung bedeuten. Das wird verständlich, wenn man bedenkt, dass von dieser Substanz bereits 20 Mikrogramm eine unverkennbare Wirkung entfalten. Das entspricht einem Zehntausendstel einer üblichen Schlaftablette. Es stellt sich also wieder die Frage, was hier den großen Eifer und die zähe Konsistenz aller Gegner dieser Therapie bedingt und warum man weltweite Kampagnen veranstaltet um sozusagen die Menschen auf der Straße gegen die Drogen aufzubringen, die eher als Wundermittel der Natur zu sehen sind, denn als "Satansdrogen", wie das der Stern bei Besprechung des Buches von Hofmann in Schlagzeilen bezeichnet hat. Nicht Satan hat die Pflanzen gemacht.
Wer die Studien über die Wirkung von LSD bei normalen Menschen gelesen hat, (Wie die von Ditman in (46), Seite 7480 oder die von Harman (52)) oder wer die anthropologischen Arbeiten kennt (z.B. McGlothlin in (46), Seite 3-43), wird hier eher einen biblischen Krieg der neuen hohen Priester gegen den biblischen Apfel vom Baume der Erkenntnis sehen und so begreifen, warum hier zwar in aller Schärfe aber doch mit verborgenen Waffen gekämpft wird.



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4 .   M O R T A L I T Ä T   I N   D E R   P S Y C H I A T R I E 

Eine jüngere epidemiologische Arbeit über die Mortalität in der Psychiatrie (die Arbeit ist leider verlegt) geht zu Beginn davon aus, dass mit der Einlieferung in ein Psychiatrisches Krankenhaus die Wahrscheinlichkeit zu sterben gegenüber der nicht hospitalisierten Altersgruppe auf das fünf- bis zehnfache steigt. Der Autor hatte vor drei Jahren interne Berichte der Bayerischen Psychiatrischen Krankenhäuser in der Hand, nach denen die Zahl der Todesfälle pro Jahr grob 10% der Krankenhausbetten entsprach. Seine intensiven Bemühungen, diese Berichte über die zuständige "Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Ministerpräsidenten" zu erhalten oder wenigstens die Mortalitätsziffern oder auch nur einen Wissenschaftler genannt zu bekommen, der diese in Bayern untersucht (53) schlugen fehl. Danach sieht es so aus, als ob hier Zahlen im Dunkeln gehalten werden sollen, die für das in Frage stehende Problem von großer Bedeutung sind.
Dagegen mögen anekdotische Erfahrungen und ein Rekurs auf oben erwähnte pharmakologisch erwiesene Tatsachen dieses Thema weiter beleuchten. Als Psychotherapeut - mit nicht sehr großen Patientenzahlen - hatte der Autor zwei Patienten zu betreuen, die einschlägige Probleme hatten.
a) Ein Arzt kommt mit Angst, Schlaflosigkeit und einer Neigung zum Alkoholabusus wegen seiner religiösen Erziehung zur Behandlung, weil Patienten, bei denen er während zwei Jahren Assistentenzeit in einem Bayerischen Privatkrankenhaus in den letzten Stadien der Krebserkrankung aktive Sterbehilfe gegeben hatte, ihm nach deren Tode emotional fehlten. Die aktive Sterbehilfe war in diesem Krankenhaus üblich, Chefarzt und Oberarzt einverstanden. Sie bestand in einer Überdosis von Opiaten und wurde nur auf Wunsch der Patienten angewendet.
b) Ein junger Altenpflege-Lehrling, der in einem Alten-Wohnheim in München lernt, begehrt dringend eine Krankschreibung, weil er nicht mehr an die Arbeitsstätte gehen kann. Bei ausführlicher Befragung stellt sich als Ursache für seine Scheu, in das Heim zu gehen, das gehäufte Sterben der Alten heraus. Er beschreibt folgende Zusammenhänge: Die Alten kommen ohne deutliche Krankheitszeichen ins Haus und werden in vielen Fällen routinemäßig mit Neuroleptika "sediert". Er und sein Freund hatten schon in Frankfurt in einem ähnlichen Heim festgestellt, dass diese Sedierung höchst unbekömmlich ist. Die Alten werden bettlägerig, der Blutdruck sinkt rapide, Herzrhythmusstörungen treten auf, es folgen Lungenentzündungen, Herzversagen und Tod. Auseinander Setzungen mit Ärzten führen nicht zurr Absetzen der Medikamente. Sie hatten schon längst angefangen, den Patienten die Neuroleptika wegzunehmen und Aufzeichnungen zu machen. Er sagte "Wir kamen mit dem Stehlen der Medikamente nicht mehr nach."
Dass in der Bundesrepublik die Gabe von Neuroleptika an Alte Leute - eine Maßnahme mit wahrscheinlicher Todesfolge - nicht als ärztlicher Kunstfehler angesehen wird, sondern durchaus üblich ist, weiß jeder, der sich in der Branche auskennt. Das soll nicht heißen, dass es keine Ärzte gibt, die niemals Neuroleptika an alte Leute geben würden. Dem Autor sind durchaus Ärzte bekannt, die das für einen Kunstfehler halten und auch wissen, dass Kreislaufmittel bei einem Schockzustand nach Neuroleptika zum Tode fuhren können. Dieses Wissen wird aber durch die offizielle Psychiatrie nicht verbreitet. Ein Beispiel für den literarischen Umgang mit solchen Fragen sei ein Zitat aus der bereits erwähnten Arbeit von Hippius und Helmchen:
“Ganz zu meiden sind Neuroleptika bei allen nicht streng psychiatrischen lndikationen im Bereich des Chirurgen, Gynäkologen, Internisten. So sah beispielsweise Simonson (J Neruropsychiat 5:259-265, 1964) eine deutliche Abnahme depressiver Zustände nach Absetzten von Promazin, das 70% der Insassen eines Altersheimes wegen Agitiertheit erhalten hatten. Mithin sollte bei nicht-psychotischen Störungen nur der Arzt hoch potente Neuroleptika einsetzen, der das gesamte Spektrum ihrer Nebenwirkungen übersieht. Dann würde sich auch die zu einseitige Forderung von Simonson erübrigen, in der Produkt-Information für alle Phenothiazine darauf hinzuweisen, dass sie Depressionen hervorrufen können. (21, S. 458)"
In diesem Text ist nicht gesagt, dass alte Leute aus psychiatrischer Indikation keine Neuroleptika erhalten sollen, weil das lebensgefährlich ist. Davon ist Überhaupt nicht die Rede. Die Rede ist von Depressionen und davon, dass auf dem Waschzettel nicht stehen soll, dass sie bei Phenothiazinen vorkommen. Nennen wir einmal die Gabe von Neuroleptika an alte Menschen mit psychiatrischer Indikation Euthanasie: dann kann man diesen Text als "Insider" so verstehen, dass Euthanasie aus psychiatrischer Indikation dem Wissenden vorbehalten sein soll und dass andere Ärzte, besonders aber Laien, über die schweren Nebenwirkungen der Neuroleptika (Depressionen und Kreislaufkollaps) tunlichst nicht zu viel wissen sollten. Was sie aber wissen sollen ist, dass Neuroleptika bei chirurgischen, gynäkologischen und internistischen Krankheiten ganz zu vermeiden sind.
Es ist der Eindruck des Autors, dass Autoren, die in dieser lnsider-Manier mit diesem Problem umgehen, eine Karriere vor sich haben. Dafür spricht die Berufung von Hippius auf den Lehrstuhl für. Psychiatrie der Universität München, die Berufung von Wanke auf den Lehrstuhl für Psychiatrie in Homburg/Saar (nach einer Serie von Falschgutachten in Prozessen gegen Ärzte, die Süchtige mit Methadon behandelt haben), die Karriere von Keup als eine Art Papst der Suchtbehandlung in der BRD und - ceteris paribus -die Karriere von Sewering.



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5 .   D I E   K A R R I E R E   V O N   S E W E R I N G 

Die Anzahl der wichtigen Positionen, die Sewering innehat, ist in Journalistenkreisen wohlbekannt, über seine Verwicklung in den kaschierten Giftmord an behinderten Kindern hat der Spiegel berichtet (6). Wenn es eine Insider-Strömung innerhalb der Psychiatrie zur Weiterführung der Eugenik gibt in dem Sinne, dass Vermehrung und Überleben von Geisteskranken eher behindert, als erleichtert werden sollen,. dann sind die Positionen von Sewering von großem Interesse für diese Strömung.
Die allergrößte Sicherheit für Euthanasie kann dadurch hergestellt werden, dass gut motivierte Ärzte in voller Unwissenheit in Handlungen verwickelt werden, die sie später selbst als Beihilfe erkennen müssen. Das begann schon während des Krieges, als Ärzte in psychiatrischen Kliniken im Rahmen ihrer Routinearbeit ein Formular über jeden Patienten auszufüllen hatten, das die Grundlage für die "Kreuzelschreiber" werden sollte, die dann das Todesurteil fällten, ohne den Patienten gesehen zu haben (5). Die jähe Erkenntnis kam für den einzelnen Arzt erst dann, als er sah, dass genau diejenigen seiner Patienten, die von ihm den entscheidenden diagnostischen Kategorien zugeordnet wurden, auch "verlegt worden” sind. Es ist gar keine Frage, dass obwohl damals eine ganze Anzahl von Ärzten protestierten, dieser Protest eine weit über dem Durchschnitt liegende moralische Kraft verlangt hat, insbesondere, weil er das Schicksal der Patienten nicht aufhalten konnte und die Erkenntnis der Umstände verspätet einsetzte. Man muss sich die persönliche Situation dieser Ärzte damals und später bei und nach Kriegsende vorstellen, um zu verstehen, dass eine Aufarbeitung des Problems der Euthanasie in der Psychiatrie nicht erfolgen konnte.
Ähnlich die Lage des Arztes heute, der - dem allgemeinen Gebrauch folgend - Phenothiazine (z.B. Promazin) bei alten Leuten zur Behebung von: "Psychomotor. Unruhezuständen, Angst- Spannungs- u. Erregungszuständen, Schmerzzuständen (Einsparung von Analgetika), Schlafstörungen, Erbrechen, Pruritus, prä- und postoperativer Sedierung..."(14, Nr. 70067) anwendet, dabei den Hinweis beachtet: "Bei Patienten mit vorgeschädigtem Herzen, insbesondere bei alten Leuten sollen Psychopharmaka dieses Typs nur mit Vorsicht und unter entsprechender Überwachung angewandt werden (a.a.O.), indem er sorgfältig den Blutdruck überwacht, dabei einen Blutdruckabfall feststellt, Kreislaufmittel gibt, den Blutdruck weiterhin fallen sieht, noch mehr Kreislaufmittel gibt und damit den Patienten zu Tode bringt. Er wird seine Schuld nicht erkennen, wenn er nicht zufällig den Hinweis auf die häufig paradoxe Reaktion findet, die in der Roten Liste nicht steht. Das heißt:
1. Solange nicht festgestellt wird, wie viele der Todesfälle bei Alten, die in die psychiatrische Klinik gebracht sterben (die Zahl liegt bei 10% der Betten pro Jahr) nach neuroleptischer Medikation auftreten, kann auch nicht festgestellt werden, wie viele dieser Todesfälle "iatrogen" (durch den Arzt verursacht) sind, und
2. so lange die Psychiatrie und die pharmazeutische Industrie die Zusammenhänge zwischen Neuroleptika, Kreislaufstörungen und Pneumonien (infolge der kreislaufbedingten Bettlägerigkeit, die bei Alten immer ein hohes Risiko darstellt) und die mögliche paradoxe Wirkung von Kreislaufmitteln nicht lehrt, gerät der, praktizierende Arzt in Gefahr, unwissend Euthanasie zu treiben.
Anders ausgedruckt: ist die Hypothese von den "Insidern", die hier unter der Hand die Euthanasie fördern, einmal aufgestellt, kann sie aus den bestehenden Tatsachen nicht widerlegt werden. Im Gegenteil, je mehr man recherchiert, umso weniger widerlegt erscheint sie.
Der Autor hat Dr. Sewering schon vor vielen Jahren darauf aufmerksam gemacht, dass die Psychiatrie in Bayern ihren Lehrverpflichtungen an diesem Punkt nicht nachkommt, aber von ihm darauf nie eine Antwort erhalten. Auch Professor Spann hatte er - noch bevor dieser als Gutachter gegen ihn tätig wurde - darauf aufmerksam gemacht, dass Hippius hier seine Dienstpflichten verletzt und dass die Fakultät, bzw. er als Dekan, die Pflicht habe, Hippius auf seine Dienstpflichten hinzuweisen. Auf dem Deutschen Ärztetag 1974 in Berlin demonstrierte er schließlich, anlässlich des Vortrages von Hippius zur Situation der Psychiatrie in der BRD" die Literatur über nicht-medikamentöse Methoden der Psychosen-Behandlung, die Hippius seinen Ärzten und Studenten vorenthält. Seine unter dem Thema: “Hanns Hippius zur Erinnerung" aufgebaute Auslage wurde widerrechtlich durch die Polizei abgeräumt. Die Versuche des Autors, im Deutschen Ärzteblatt und im Bayerischen Ärzteblatt einen Literaturbericht über den Stand der Suchtbehandlung in der Weltliteratur unterzubringen, weil die Ärzteschaft über dieses Thema zum Schaden der Süchtigen und der Sozietät fehlinformiert wurden, wurden von Sewering und von dem für Pharmakologie zuständigen Fachredakteur des Deutschen Ärzteblattes konsequent blockiert.Man mag hier einwenden, dass man nicht erwarten kann, mit solchen Einzelgängermethoden Erfolg zu haben. Deshalb soll darüber berichtet werden wie Sewering mit Ärzten umzugehen versteht, die in Berlin in angemessener Form und ordentlich begründet zum Ausdruck bringen wollen, dass die Interessen der Ärzteschaft und auch die der Patienten von der Bundesärztekammer nicht ordentlich vertreten werden.
Wegen der widerrechtlichen Behandlung, die der Autor mit seiner Demonstration erfahren hatte, suchte er Kontakt zur Presse, und sprach auf Empfehlung den von der Süddeutschen Zeitung entsandten Berichterstatter an. Der sagte ihm, er könne nur mit ihm sprechen, wenn er - mit gezückter Kamera - aufmerksam beobachten dürfe, was da am Eingangstor passiert; er sagte, da würde nämlich etwas passieren und er habe den Auftrag, es zu photographieren. Wir sprachen über meine Angelegenheit und beobachteten - neben vielleicht 12 anderen Journalisten, die ebenfalls vorbereitet und aufmerksam warteten - wie eine Gruppe von 60 bis 100 normal gekleideten Personen im Alter zwischen Ende zwanzig bis Anfang vierzig sich wartend verhielt. (Es waren Berliner Ärzte, die sich unter einem bekannten Namen versammelt hatten und auf einem Blatt Argumente verbreiteten, die sie nun vor der Ärztekammer vertreten wollten.) Die Ärzte waren auffallend ruhig, sprachen kaum und wurden von Ordnern angehalten, sich dicht zusammengedrängt am Eingang zu halten, was sie auch ohne weiteres taten. Nach langer Zeit des Wartens ging - offensichtlich auf ein Zeichen - die Glastür, an die die Ärzte sich gelehnt hatten, mit beiden Flügeln gleichzeitig auf. Wer am Rande stand, verlor zuerst das Gleichgewicht, konnte aber in die Eingangshalle treten und sich so auffangen. Das konnten die anderen nicht und rissen deshalb instinktiv die Arme hoch, um nicht zu fallen. So nahmen die Kameras, die eifrig blitzten, ein Bild auf, dass aussah, als ob die Ärzte die Eingangshalle mit Gewalt "gestürmt" hätten, insbesondere weil die vom Berliner Senat uniformierten Türsteher die Glasturen wieder kräftig in die nun hereindrängende Gruppe stießen. Durch die so kooperierende Presse gedeckt, konnte dann Sewering vor dem Fernsehen sagen, das seien keine Ärzte gewesen, sondern Rowdies. Sewering hatte die Ärzte nicht zu Wort kommen lassen, sondern die Sitzung durch das Spielen von Marschmusik beenden lassen.
Sewering signiert seine Mitteilungen an die Bayerischen Ärzte und an die Bayerischen Kassenärzte - in den Vereinigungen beider hat er die höchste Position - mit "Professor Dr. Joachim Sewering". Im Vorlesungsverzeichnis der Technischen Universität (TU) wird er (seit 17.5.68) unter Honorarprofessoren geführt "für Sozialmedizin und Ärztliche Rechts- und Berufskunde". In der Bibliothek der medizinischen Fakultät der TU. steht keine Habilitationsschrift, sondern einzig eine Dissertation von ihm. Niemand weiß zu sagen, welche die Professur begründenden wissenhaftlichen Arbeiten von ihm stammen. Das ist so ungewöhnlich nicht, denn in der gleichen Zeit wurden drei in der Bundesärztekammer führenden Personen Professoren ohne erkennbare wissenschaftliche Arbeiten: Dr. Fromm (damals Präsident der Bundesärztekammer und Präsident der Kammer in Hamburg), Dr. Sewering (damals Viezepräsident und Präsident in Bayern) und Dr. Stockhausen (Geschäftsführer der Bundesärztekammer).
Über die Affairen um das aus seiner Privatpraxis in unglaublichen Größenordnungen in Sewerings Hände fließende Einkommen weiß man in Journalistenkreisen mehr als der Autor. Der Autor kennt als Arzt nur viele Ehrenerklärungen für Sewering, die ihm ungefragt ins Haus geschickt werden (ein Motto: "Selbst seine Gegner nennen es Rufmord.").
Diese Art von Lob-Adressen häufte sich besonders nach dem Spiegelbericht über die Arbeit mit Sewerings Patienten in Schönbrunn, von denen eine große Zahl in Haar-Eglfing via Luminal und Pneumonie getötet wurde. Auf die Anfrage des Autors an Sewering, ob es zu diesem Bericht im Spiegel aus seiner Feder einen Kommentar gebe, kam keine Antwort. Die Redaktion des Spiegel schrieb, dass irgend ein kirchlicher Würdenträger sich geäußert habe, dass das Euthanasie-Programm in der Zeit, zu der Sewering in Schönbrunn tätig war, ja schon abgeschlossen gewesen sei. Jeder, der darüber aber genauer Bescheid weiß, weiß, dass die Tötung der Kinder in Eglfing noch bis Kriegsende lief.
Als das Bewährungsurteil des Autors vom Bundesgerichtshof aufgehoben war und eine höchstrichterliche Entscheidung vorlag, dass Methadon unter den vom BGH präzisierten Umständen für die Behandlung von Süchtigen geeignet ist, schrieb der Autor (HK) an Sewering und verlangte eine Richtigstellung der Feststellung im Bayerischen Ärzteblatt [24], dass Methadon für die Behandlung Süchtiger ungeeignet sei. Er verlangte einen Abdruck des BGH-Urteils im Bayerischen Ärzteblatt. Sewerings Antwort lautete: "Das von Ihnen angesprochene Thema eignet sich nicht für eine Publikation im ‘Bayerischen Ärzteblatt’ ”[23]. Auf seine (HK) Entgegnung antwortete Dr. Sluka, "dass die Bayerische Landesärztekammer nicht beabsichtigt, ihre seinerzeitige Stellungnahme zu ändern." Als der Autor (HK) den Chefredakteur des Deutschen Ärzteblattes darauf hinwies, dass der Artikel von Keup im Deutschen Ärzteblatt 1973 [25], der weit davon entfernt ein wahres Bild von den in der medizinischen Literatur zu geben, Stellung gegen etablierte Behandlungsmethoden mit Methadon bezog, von den Gerichten als Grundlage der Verurteilung von Ärzten verwendet wurde (in einem Falle einer lege artis Behandlung, bei der Wanke Gutachter war, zwei Jahre Gefängnis ohne Bewährung, die zur Zeit verbüßt werden), antwortete er:
"Der Redaktion war seinerzeit sogar ein Fehler unterlaufen, indem wir nämlich die Gesamtveröffentlichung der Arzneimittelkommission und des Ausschusses sowie des Artikels von Professor Keup nicht ausdrücklich als Bekanntgabe der Bundesärztekammer gekennzeichnet hatten; denn um eine solche handelte es sich und nicht um eine Veröffentlichung, für die etwa die Redaktion die Verantwortung getragen hätte. Wäre eine solche Kennzeichnung aber erfolgt, so hätten sich die Gerichte wohl mit noch größerer Berechtigung auf den offiziellen Charakter einer solchen Veröffentlichung berufen können." Damals war Sewering Präsident der Bundesärztekammer und damit auch Vorsitzender des Vorstands.
Welches Interesse hatte die Bundesärztekammer damals an dieser vorausschauenden Publikation? Die Todesfälle der Süchtigen, ihre Gesamtzahl betrug wenige Prozent der heutigen Zahlen. Der Versuch des Autors, eine Antwort auf diese Frage zu erhalten, mißlang. Es mißlang ihm auch trotz vieler Mühe, die Namen der Mitglieder der beiden Kommissionen in Erfahrung zu bringen. Welche Aufgaben stellt sich der Ausschuss Psychohygiene? Keup, der mit diesem Ausschuss zusammenarbeitete, stellt heute in Publikationen die Sterblichkeit der Süchtigen pro Jahr mit 10% dar. Psychohygiene bedeutete zu der Zeit, in der Sewering Arzt in Schönbrunn war, durchaus auch "Vernichtung lebensunwerten Lebens."
Ein Schreiben des Autors an die Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit mit der Bitte um Aufklärung über die Haltung der Regierung und der Beraterkommission des Bundesgesundheitsamtes wurde u.a. mit folgendem Satz beantwortet: "In Beantwortung Ihres Schreibens vom 29.7.79 teile ich Ihnen mit, dass es die Aufgabe der Drogenbeauftragten des Bundes und der Länder ist, unter Berücksichtigung aller wesentlichen Gesichtspunkte der Gesamtsituation zu Vorschlägen und Maßnahmen Stellung zu nehmen, von denen erwartet wird, dass sie geeignet sind, die Bekämpfung des Mißbrauchs illegaler Drogen wirksam zu beschränken..." Die Bekämpfung des Mißbrauchs wirksam beschränken heißt, den Mißbrauch fördern. In der Annahme, dass es sich
m einen Formulierungsfehler handelte, schrieb der Autor an den Unterzeichnenden Professor Franke mit der Bitte um Korrektur. Daraufhin erhielt er keine Antwort.
Summiert man die Regierungsmaßnahmen auf dem Sucht-Sektor - von den Zigaretten über den Alkohol, die Suchterzeugenden Medikamente Valoron, Methaqualon, Develin retard u.a., die Opiate bis hin zu den heilkräftigen Naturprodukten aus der Gruppe der sogenannten Halluzinogene - auf anderer Ebene, analysiert man die Gesetze vom Lebensmittelgesetz 1958 bis zum Betäubungsmittelgesetz 1979 [26,12] mit dem Bewusstsein eines unbefangen denkenden Arztes oder eines nicht primär konformen Sozialwissenschaftlers, dann erscheint der oben zitierte Satz von Franke als präzise Formulierung der Zielrichtung, die konkret verwirklicht worden ist. Das soll eingehender weiter unten im Zusammenhang mir der Haltung der Presse dargestellt werden. In Zusammenhang mit Sewering sei nur darauf hingewiesen, dass die Bundesregierung beider Schattierungen der Bundesärztekammer gegenüber eine beachtlich vornehme Haltung aufrechterhielt, während sich diese in ihren Forderungen nie wesentlich zu mäßigen hatte. Am krassesten war dies Anfang der 60er Jahre, wo sie den Innenminister seinen Abschied nehmen ließ, anstatt die unverschämten Polemiken der Bundesärztekammer gegen die von diesem vorgelegten Krankenkassenreform auf ihren Volks- und Ärzte-feindlichen Kern, nämlich die unbedingte Treue der sogenannten Ärztevertreter gegenüber den Interessen der pharmazeutischen Industrie zurückzuführen.
Mit den kontinuierlichen Hinweisen auf Elemente des Zusammenhangs zwischen Sewerings Erfolg und seiner offenen und verdeckten Haltung zur Euthanasie soll nicht gesagt werden, dass dies die wesentliche Grundlage seiner Karriere ist. Es sieht viel mehr so aus, als ob dies nur eine mächtige Strömung von mehreren ist, die ihn trägt, anstatt ihn zu gefährden.
Man darf nicht meinen, dass die Presse, die skandalöse Umstände seines Einkommens aufdeckt oder der Spiegel mit seinem Euthanasie-Bericht Sewering-schädliche Wirkungen hat. Aus der Sicht des Autors stärken beide seine Macht auf allerdings unglaubliche Weise:
• lenkt ein geldgieriger Kammerpräsident das öffentliche Bewusstsein von den doch viel geldgierigeren Eignern der Pharma-Industrie ab (Ärzte haben durch den persönlichen Kontakt mit ihren Patienten noch immer eine positivere Ethik und verdienen Geld immer noch durch berufliche Arbeit) und • bewirkt die Aufdeckung der persönlichen Verwicklung des Kammerpräsidenten in Patientenmord ohne, dass daraufhin gerichtliche Maßnahmen folgen, einen Umfang an Stillhalten gegenüber der ärztlichen Obrigkeit, die durch nichts anderes zu erreichen ist.
Dieser Effekt, dass die Macht einer ethisch verwerflichen Person durch Bekanntwerden der ethisch verwerflichen Handlungsweise eher steigt, als fällt, ist in der jüngeren Politik der BRD keineswegs ein Einzelfall. Es sieht eigentlich schon so aus, als ob man dabei ist, dem Volk vor Augen zu führen, dass derjenige aufsteigt, der Demokratie, Verfassung und Menschenrechte handgreiflich mißachtet. Die Tendenz läuft darauf hinaus, gerade die Personen zu "ermächtigen", die sich "von niemandem mehr sagen lassen, welche Erwartungen sie zu erfüllen haben", wie das der Vorstand der CDU anlässlich der Forderungen ihres Generalsekretärs gegenüber dem Kanzlerkandidaten aus Bayern handgreiflich demonstrierte. Dabei ist diese Proklamation ("von niemandem") natürlich nicht ernst zu nehmen, es ist vielmehr die Frage, in wessen Interesse kooperieren so verschiedene Leute, bzw. Leute, die nach dem öffentlichen Bewusstsein zu gänzlich verschiedenen "Parteien" gehören auf eine so differenziert und wirksam das Gegenteil von Volksgesundheit herstellenden Weise:
Hirudo sanguisuga
oder:
Analekten zur Staatsbürgerkunde

Es gibt zweierlei Egel.
Die einen Egel sind Egel,
die andern sind Egel nicht.
(Das sind die unsern.)

Wir schlafen, nett geschart
um Egel, die keine sind,
gesalbt mit Gallerte.
Aus vegetarischen Villen
streuen sie leutselig
Rosenkränze und Zucker
in den Jubel der somnambulen
wahllosen Wähler. Dankbar
schützen wir sie,
die kein Blut sehen können,
vor ihren Feinden, den Egeln.

Warum sind sie so feist?
So fragen Gottlose.

Warum vermehren sie sich
und schwellen dunkel? Wie
kommt es, dass sie den Spiegel
des Himmels und der Vernunft
überziehn mit heulendem Schleim?
Das sind Wallfahrten
für Frieden und Freiheit.

Mästen sie sich wahrhaftig
von Wirsing? Ist ihr Streit
der unsre? Zwinkern Egel
und Aberegel, ringend
auf Leben und Tod,
einander nicht zu
mit blutunterlaufenen Augen?
Ihr Kampf ist eine Umarmung.
Wer erstickt darin?
So fragen Feiglinge.

Egel bleibt Egel.
So sprechen Verräter.

Frieden auf Erden
den Egeln, Freiheit
den Egeln, den Egeln,
die Egel nicht sind
(den unsern),
ein Wohlgefallen!
So sprechen Gerechte.

Hans Magnus Enzensberger [27]



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6 .   G E S E T Z G E B E R ,   G E R I C H T E ,   P R E S S E   U .   S U C H T . 

Im folgenden soll anhand einiger Beispiele vorgeführt werden, wie die genannten für das öffentliche Wohl wesentlichen Instanzen zusammenarbeiten können, um den Bürger - sehr zum Schaden an seiner Gesundheit - an der Nase herumzuführen.

Das Lebensmittelgesetz von 1958 brachte einige Neuerungen, die einen gewaltigen Schritt in Richtung Volksgesundheit ergaben. Nicht nur waren Lebensmittel, deren Genuss die menschliche Gesundheit zu schädigen geeignet ist vollkommen verboten [26 S.2], sondern auch Zusatzstoffe zu Lebensmitteln, die nicht gesundheitsschädlich sind, wurden einer besonderen Kennzeichnungspflicht unterworfen. Die Änderungen, die sich daraus ergaben, waren in jedem Lebensmittelladen und auf jeder Speiskarte deutlich erkennbar und ließen das Gesetz als außerordentlich fortschrittlich erscheinen.

Dabei gab es aber sehr wesentliche Ausnahmen. In § 1 Abs. 2 wurden Tabak, tabakhaltige und tabakähnliche Erzeugnisse, die zum Rauchen, Kauen oder Schnupfen bestimmt sind, den Lebensmitteln gleichgestellt. Damit unterlagen sie in Prinzip und Detail den gleichen Bestimmungen - nicht aber in der Rechtspraxis. Das geht folgendermaßen:

Als der Gesetzgeber 1958 das Gesetz: verabschiedete, stand in jedem Pathologiebuch, das später als 1950 herausgekommen war, dass die Zigarette die quantitativ wesentlichste Ursache der Bronchialkarzinoms ist, das wiederum von allen Krebserkrankungen innerhalb der letzten Jahrzehnte den erstaunlichsten Zuwachs aufzuweisen hatte. Es war also klar, dass das Zigarettenrauchen (u.a.) die Todesursache für Hunderttausende von Todesfällen geworden war.

Als der Autor im Januar 1964 eine Anzeige gegen die Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH in Hamburg erstattete wegen Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz, wurde diese Anzeige mit folgender Begründung ad acta gelegt: "Nach §§ 1 Abs.2, 3 Ziffer 1 Lebensmittelgesetz ist es verboten, Tabakwaren so herzustellen oder in Verkehr zu bringen, dass sie die menschliche Gesundheit zu schädigen geeignet sind. Aus dieser Formulierung ersehen Sie bereits, dass der Gesetzgeber die auf herkömmliche Weise gefertigten Tabakwaren nicht als generell gesundheitsschädlich angesehen hat.." Man sieht, mit welcher Sachverständigkeit das Bundesgesundheitsministerium den mit Abstand größten "Killer" auf dem Lebensmittel-Genussmittel-Heilmittelsektor in den weißesten Schafspelz gebracht hat. [28]

Eine Gelegenheit, die Redlichkeit der bundesrepublikanischen Presse auf diesem Gebiet zu beurteilen, gab der Bericht über die von Präsident Kennedy in Auftrag gegebene Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Rauchen und Lungenkrebs, der lange Zeit mit Spannung erwartet worden war, der sogenannte "Terry-Report" vom 12. Januar 1964. Am folgenden Tag und in der darauffolgenden Woche wurde dieser Bericht von praktisch allen Zeitungen der BRD einem bis dahin unbekannten, letzten Endes in allen Punkten widerlegten Untersuchungsbericht des Düsseldorfer Pathologen Reinhard Poche gegenübergestellt, konkret oder im Tenor nach dem Motto: "Amerikanische Wissenschaftler behaupten, Zigaretten sind gesundheitsschädlich - deutsche Wissenschaftler haben festgestellt, die Luftverunreinigung ist die Ursachen des Lungenkrebs. [28] Eine Analyse dieser Berichterstattung läßt keinen Zweifel darüber aufkommen, dass sie nahezu vollkommen von den Interessen an dem mit dem Zigarettenverbrauch verbundenen Profit beherrscht war, nicht aber von Interessen an der Gesundheit und dem Wohlergehen der Bevölkerung. Das ist bis heute so geblieben. Während der dauernde Berieselung des öffentlichen Bewusstseins mit Herointoten in Wort und Bild, sind die Toten durch Bronchialkarzinom, von denen jedes größere Stadtkrankenhaus wöchentlich mehrere aufweisen kann, dem Bewusstsein der Öffentlichkeit und der Ärzte nahezu perfekt entzogen.

In neuerer Zeit laufen - wie oben vielfach dargestellt - ähnliche Fälschungen hinsichtlich der medizinischen Wirkung der Drogen. Hier seien nur drei Beispiele genannt, bzw. in Erinnerung gebracht:

• Die in der Begründung zum Entwurf des neuen BtmG [12 S. 25] zu findende Feststellung zu den im Gesetz als "nicht verkehrsfähig" bezeichneten Stoffe (u.a. LSD, Mescalin, Psilocybin und auch alpha-Acetylmethadol) der Anlage I: “Diese Stoffe sind in der Bundesrepublik Deutschland allenfalls illegal im Verkehr... Sie sind gesundheitsgefährdend oder werden nicht zu therapeutischen Zwecken benötigt." ist auf eine makabre Weise unwahr und nur verständlich, wenn man annimmt, dass hier mit großer Emsigkeit und Konsequenz öffentlich und intern an der Herstellung dieser spezifischen Unwahrheit gearbeitet wurde.

• Die Verfolgung von Ärzten in der BRD, die Methadon an Süchtige verschrieben oder abgegeben haben, durch die Gerichte fast aller großen Städte erhält im Detail so viele und so systematisch ineinander greifende Fehlurteile, dass eine Erklärung von der Art, dass es dabei immer noch "mit rechten Dingen" zugegangen sei, nicht haltbar ist. In der Urteilsbegründung der ersten Instanz in seinem Fall konnte der Autor allein 204 Fehler nachweisen und zeigen, dass das Urteil in allen Punkten auf diese Fehler aufgebaut ist [29]. Auch das neue Urteil ist in massiver Form auf Fehler aufgebaut und letztlich darauf gegründet, dass der Autor nicht bereit und in der Lage war, die aus dem engsten Kreis von Sewering stammende Fälschung der wissenschaftlichen Tatsachen gegen Wissen und Gewissen zu seiner eigenen Richtschnur zu machen.

• Die Berichterstattung in der Presse über die Ursachen des Wachstums der Heroinsucht in der Bundesrepublik mit der geflissentlichen Vermeidung der Berichterstattung über Methadon-Behandlungen, die in allen betroffenen Ländern zur Abwehr der epidemiologischen Entwicklung eingesetzt werden, insbesondere aber die Berichterstattung des Spiegel über die Heroinsucht in Großbritannien (Heft 49, 1979, S. 260), die aus der Sicht des Autors die Grenze zur Fälschung überschritten hat [30]. Dazu die intensiv betriebene Fälschung der Tatsachen um die Wirkung der Halluzinogene, insbesondere LSD als "Satansdroge", wie z.B. im Stern bei der Besprechung des Buches von Albert Hofman.



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7 .   G E W I C H T   D E R   F Ä L S C H U N G E N   N A C H   K R I T E R I E N 

Man kann zur Beurteilung der oben ausgeführten Fälschungen der öffentlichen und professionellen Meinungen hinsichtlich der Wirkungen psychotroper Drogen, worunter nun alle Substanzen oder Stoffe zu zählen sind, die auf die menschliche Psyche wirken, eine Reihe von Kriterien heranzi
hen, aus denen erkennbar wird, in welchem Umfang hier öffentliche Interessen einerseits und Gruppeninteressen andererseits verwirklicht werden.

.7a Gebrauch und Todesfolge:

Die Frage ist hier: Wie viele Todesfälle sind auf den Gebrauch einer Droge zurückzuführen?

Hier steht an erster Stelle die Zigarette, bzw. das Rauchen, mit den bei weitem überwiegend darauf zurückführbaren Todesfällen an Krebserkrankungen der Luftwege und Atmungsorgane, von den Lebenden in der BRD mehr als eine Million, viele Tausende pro Jahr oder einige Prozent der Raucher.

An zweiter Stelle wohl der Alkohol hier wohl mehr durch Unfall im Verkehr als durch direkte Drogeneinwirkung.

An dritter Stelle stehen wohl die Schlafmittel - rezeptpflichtig oder nicht - in Zusammenhang mit Suizidversuchen, und die antipsychotischen Medikamente, die von Ärzten verordnet Todesfälle verursachen, in größter Zahl bei Alten, in der Größenordnung von mehr als hundert pro Jahr und Großstadt.

Erst an vierter Stelle und mit Abstand folgen die Todesfälle an Opiaten bei Heroinsüchtigen, meist die Folge von Fehleinschätzungen der Dosis, die wieder die Folge des illegalen Handels ist, bzw. durch unberechenbare Unverträglichkeit in Zusammenhang mit Alkoholgenuss. Die Zahl liegt in der Größenordnung von tausend pro Jahr in der BRD.

Die Todesfälle in Zusammenhang mir LSD oder Haschisch sind niemals die direkte Folge der Droge, sondern Unfälle oder Suizide, die immer in Zusammenhang mit ihrer Verwendung außerhalb einer therapeutischen Einrichtung stehen. Ihre Zahl ist sehr gering und durfte in der Weltliteratur die Zahl hundert kaum überschreiten.

.7b Beschränkung im Handel:

Frei verkäuflich, wenngleich besteuert, sind Zigaretten und Alkohol. Dazu kommt eine massive Werbung für diese Drogen in allen Medien.

Auf Apotheken beschränkt sind rezeptfreie Schlafmittel, rezeptpflichtige Barbiturate und Neuroleptika und Betäubungsmittelgesetz-pflichtige Opiate.

Verboten sind LSD, Haschisch und andere sogenannte Halluzinogene, aber auch Heroin.

Die negative Korrelation zwischen den Kriterien .1 und .2 ist offensichtlich.

.7c Schwere der körperlichen Abhängigkeit:

Nach der Schwere der körperlichen Abhängigkeit kommen zuerst die Barbiturate und Alkohol, deren Entzug bei schwer Süchtigen ohne Substitution eine erhebliche Lebensgefahr mit sich bringt, dann die Opiate, voran Heroin aber auch das lange Zeit und in gewissem Sinne auch heute nur rezeptpflichtige Valoron, die schwere körperliche Entzugssymptome verursachen. Es folgen Medikamente wie Methaqualon, Develin retard, die bisher nur rezeptpflichtig sind. Mit allerdings weitem Abstand kommt die Zigarette, die zweifellos körperlich erkennbare Entzugssymptome macht. Auf gleicher Ebene steht das Rauchen von Marihuana, keineswegs auf einer höheren. Schließlich um den Wert Null LSD und die Halluzinogene, für die eine körperliche Abhängigkeit niemals beschrieben wurde und die Neuroleptika im negativen Skalenbereich infolge ihrer aversiven Eigenschaften.

.7d unerwünschte Nebenwirkungen:

Hier stehen, was den akuten Gebrauch betrifft, an erster Stelle die Neuroleptika, dann der Alkohol, mit Abstand die Opiate und am Ende die Barbiturate und Halluzinogene, die - außer den psychischen - keine Wirkungen haben. Zigaretten sind schwer einzuordnen. Bei den chronischen Nebenwirkungen steht an erster Stelle Alkohol, dann Zigaretten, dann wohl Neuroleptika, die anderen Substanzen sind auf dieser Skala nicht einzuordnen, weil sie nicht chronisch zu verwenden sind.

.7e Einmalige gegenüber Dauer-Medikation:

Als Psychopharmaka werden Zigaretten in der Regel chronisch verwendet, Neuroleptika chronisch bis periodisch, ebenso Alkohol, Schlafmittel und Opiate bei ärztlicher Anwendung nur im Einzelfall, Halluzinogene einmalig oder im Sinne einer psycholytischen Serie. Von den genannten sind die letzteren die einzigen, die man als "heilende" Medikamente bezeichnen kann, weil sie eine bleibende Wirkung nach kurzer Anwendung haben.

.7f Freiwilligkeit der Einnahme:

Hier werden Neuroleptika häufig nur bei Zwang eingenommen, Barbiturate werden freiwillig und ohne Zwang eingenommen, Opiate und Halluzinogene werden freiwillig und auch verboten eingenommen, was sicherlich auch für Zigaretten und Alkohol gelten würde, wenn diese verboten wären. Halluzinogene sind die einzigen Medikamente, bei denen keine körperliche Abhängigkeit besteht und die doch entgegen schwerer Strafe eingenommen werden.

.7g Naturprodukte und Industrieprodukte:

Naturprodukte sind Tabak, Haschisch und die meisten Halluzinogene (LSD ist als halbsynthetisch zu bezeichnen), im Prinzip auch Alkohol. Neuroleptika sind an die Hochindustrie gebunden.

Dabei sind Alkohol- und Tabak vollkommen industrialisiert und werfen höchste Gewinne für die Hersteller ab. Ebenso hoch sind die Gewinne der Pharma-Industrie an den Neuroleptika, wobei letztere einen andern Verteilungsmodus haben, als alle anderen, indem das Medikament vom Arzt für den Verbraucher gewählt wird, nicht von ihm selbst.



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8 .   S C H L U S S B E M E R K U N G E N 

Die Darstellung läßt trotz ihrer Oberflächlichkeit und Ungenauigkeit unschwer erkennen, dass die am weitest verbreiteten psychotropen Drogen und Substanzen eher die gesundheitspolitisch schlechteren sind, als umgekehrt. Pointiert formuliert werden lebensgefährliche, die Persönlichkeit zerstörende, nicht heilende Medikamente sozusagen unter Polizei, bzw. Rechtsschutz gegen den Willen der Leidenden mit Gewalt in ihren Körper gebracht, während die heilenden, billigen, in der Natur vorkommenden Drogen
bzw. Medikamente auch dem Arzt in der Anwendung bei Strafe verboten werden. Die gefährlichsten Suchtmittel werden unter Beteiligung des Staates mit allen wissenschaftlichen Techniken in die Bevölkerung gebracht - man denke an die freie Verteilung von Zigaretten an kämpfende Soldaten - der Gewinn geht vorzugsweise ans Privatkapital.

Die Implikationen liegen auf der Hand. Die Tatsachen sind nicht zu erklären, wenn man sich vorstellt, dass die gesundheitspolitischen Werte in der Bundesrepublik so zur Wirkung kommen, wie die Verfassung sie beschreibt.

Viel wahrscheinlicher ist, dass verfassungsfeindliche, ja bösartige Kräfte bis in die höchsten Stellen wirksam sind und durch Korruption, indirekte Einflussnahme, Nötigung und ähnliches im Interesse des Interesses weniger erreichen, was dem Interesse der Öffentlichkeit entgegensteht. Dabei sind enge Zusammenhänge mit dem Nationalsozialismus unverkennbar.

An vielen Punkten bleibt das eigentliche Ziel der offenbar konzertierten Aktionen auf diesem Gebiet unklar und müßte in größeren politischen und Hintergrunds-politischen Zusammenhängen gesehen und geklärt werden. Natürlich ist es für die pharmazeutische Industrie von größtem Vorteil, wenn Medikamente nicht verwendet werden dürfen, die mit einer oder einigen wenigen Anwendungen eine Heilung da bewirken, wo sonst ewiger Medikamentenverbrauch vonnöten ist. Natürlich hat auch die Alkoholindustrie ihre Kontakte zu den Medien. Wie aber kommt eine so nahtlos erscheinende Kooperation mit der Justiz und den medizinischen Fakultäten zustande? Welches Interesse hat die medizinische Fakultät der TU in München daran, Sewering zum Professor der Ärztlichen Rechts- und Berufskunde zu machen? Was interessiert Professor Spann und andere die Bestrafung von Ärzten, die Methadon verordnen mit Hilfe des Kunstfehlerbegriffs, der sonst fast nie zum Zuge kommt? Ist das alles über den Einfluss der Pharmaindustrie auf die Vergabe von Lehrstühlen an Pharma-freundliche Professoren zu verstehen?

Natürlich haben Polizisten mehr Spaß bei der Verfolgung von Heroinsüchtigen, als wohl sonst bei ihrer Arbeit. Wenn die Polizei in München ziemlich unverkennbar eine Hege des Heroinhandels betreibt, warum wird das von der Staatsanwaltschaft und sogar vom Gericht getragen? [31] Hier gibt es keinen finanziellen Profit, denn Süchtige verursachen nur hohe Kosten auf den verschiedenen Ebenen der Staatsfinanzen. Also muß die Erklärung auf höherer Ebene im politischen Bereich zu suchen sein. Betrachtet man dazu den Gesetzentwurf des neuen Betäubungsmittelgesetzes, fällt allerdings ein Zusammenhang auf: der Bandenbegriff, der Kronzeugenparagraph und der "Maulkorb"-Paragraph bringen Neuerungen in den Strafgesetzen, die nun wirklich Möglichkeiten eröffnen, die den Antidemokraten das Herz hüpfen lassen. Das wird zu Morden in größerer Zahl unter Süchtigen führen, um “Verräter" vorsorglich auszuschalten. Das wird auch Schießereien zwischen Polizei und Banden geben, die von Terroristen nicht mehr zu erwarten sind. Das wird neue Vorwände für drakonische Maßnahmen geben, zu denen unsere Regierung inzwischen beachtliche Neigungen zeigt. Das wird bei den nicht unmittelbar beteiligten Bürgern eine enorme Vermehrung des Gehorsams geben, deren Brauchbarkeit wohl bekannt sein dürfte.

In diesem Licht betrachtet gewinnen die Parolen für den vor uns liegenden Wahlkampf, wie "Alle Kraft für Deutschland", von den engsten Mitarbeitern von Strauß, oder die Äußerungen des Bundesaußenministers über die Teilung Deutschlands, in der das letzte Wort noch nicht gesprochen sei, im Zusammenhang mit den ungewöhnlichen Freundschaften, die zur militärisch-antirussischen Strömung im kommunistischen China von den USA und von Strauß geflochten werden, ein militärisch interessantes Gewicht. Was bedeuten denn die Abbildungen von Kriegsschiffen und Panzern auf der Titelseire der Süddeutschen zusammen mit Parolen für den Frieden in Europa anderes als eine neue deutsche Vorkriegszeit? Sind die fälschungssicheren Ausweise für Terroristen gedacht oder auch für fahnenflüchtige Jugendliche, die einen Angriffskrieg nicht tragen wollen?

Hypothesen sind gedankliche Zusammenhänge, die auch Widerlegung erfordern. Wenn die mit Gewalt herbeigeführte systematische Veränderung verfassungsmäßiger Zustände in der Bundesrepublik eine Revolution in unserem Land bedeuten, dann lautet die Hypothese: "Die Revolution kommt von oben." Wer kann und wer möchte diese Hypothese widerlegen noch bevor der Maulkorb-Paragraph für die Verherrlichung des Gebrauchs der wunderbaren, von Gott in die Blätter, die Samen, die Pilze, die Wurzeln, die Kakteen und ins Mutterkorn gelegten heilsamen Drogen im christlichen Deutschland seine Rechtskraft erlangt?

München 40, Amalienstraße 73, den 8.1.80,

Hannes Kapuste



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D O K U M E N T A T I O N 

1) Thomas S SZASZ: "Psychiatric Justice", New York 1965, 281 Seiten.
2) Dieter STORZ: "Politische Psychiatrie", psychologie heute, Beltz Leserdienst, Sonderdruck 1977, 24 Seiten.
3) Klaus DOERNER: "Diagnosen d. Psychiatrie", 1975, Seite 59-95.
4) HG GÜSE und N SCHMACKE: "Psychiatrie zwischen bürgerlicher Revolution und Faschismus", Athenäum Taschenbücher, 2 Bände,
5) Bernhard SCHREIBER: "Geheime Reichssache"(Die Männer hinter Hitler - Eine deutsche Warnung an die Welt), ohne Jahreszahl, ohne Erscheinungsort, 123 Seiten.
6) DER SPIEGEL: "Sewering, saubere Weste", 1978, Nr.21, Seite 84 - 88.
7) Hannes KAPUSTE: "Therapie in der Familie." psychologie heute, Juni 1974, Seiten 66-77.
8) Hannes KAPUSTE: "Familientherapie und Psychiatrie", psychologie heute, Juli 1976, Seiten 46-52.
9) Gregory BATESON et al.:"Towards-a Theory of Schizophrenia", Behavior Science 1956, Seite 251- 264, (deutsch in Bateson et al."Schizophrenie und Familie", Suhrkamp Taschenbuch).
10) American Psychiatric Association: "Position Statement on Marijuana Laws", Am J Psychiater 136:5, May 1979, Seite 754.
11) Jupp JOACHIMSKI: "Betäubungsmittelrecht", Richard Boorberg Verlag, Juli 1974.
12) Gesetzentwurf der Bundesregierung zur-Neuordnung des Betäubungsmittelrechts, Bundesrat Drucksache 546/79, vom 9.11.79, 38 Seiten.
13) Karl-Heinrich BAUER: "Das Krebsproblem", Springer -Verlag 1963, Seiten 401- 409 und Seite 905.
14) Rote Liste: "Verzeichnis von Fertigarzneimitteln des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie e.V." Aulendorf, Württ. 1979, mehr als tausend Seiten.
15) Louis S. GELDMANN and Alfred GOALMANN: "The Pharmacological Basis of Therapeutics", fifth Edition, London 1975, 1704 Seiten.
16) Eugen BLEULER: "Lehrbuch der Psychiatrie", Springer Verlag, Heidelberg 1969, 670 Seiten.
17) FC REDLICH und DX FREEDMAN:"Theorie und Maxis der Psychiatrie", Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 148, 1976, 2 Bände.
18) Solomon H SNYDER: "Drugs, Neurotransmitters, and Schizophrenia." Science, 21 June 1974, Seite 1243-1253.
19) D PIESCHL: "Die kardiologischen Wirkungen der Neuroleptika nach dem heutigen Erkenntnisstand." Nervenarzt 44, 212-215, (1973).
20) Aussendungen der WANDER Pharma GmbH, Deutschherrnstr. 15, 85 NÜRNBERG 1 (Ruf 0911 - 2731), zu dieser Frage. Die Firma wurde von Sandoz aufgekauft und die Auslieferung von Leponex gestoppt. Die Hintergründe dieser Aktion sind gewiss Recherchen wert.
21) H HELMCHEN und H HIPPIUS: "Depressive Syndrome im Verlauf neuroleptischer Therapie." Nervenarzt 39, Seiten 455-458, 1967.
22) Maurce RAPPAPORT et al.: "Selective Drug Utilization in the Management of Psychoses."Research Report, Langley Porter Neuropsychiatric Institute, University of California, San Franzisco, California 94143, March 1974, 139 Seiten ohne Anhang.
23) Nathan B. Eddy et cl.: "Drug Dependence: ist Significance and Characteristics." Bull. Wld. Hlth. Org. 32, 721-733, 1965.
24) Vincent DOLE: "Methadone Treatment of Randomly Selected Criminal Addicts", The New England J .of Medicine, June 19, 1969, Seite 1372-1375.
25) Paul CUSHMAN: "Methadone Maintenance in Hard Core Criminal Addicts." New York State J. of Medicine, July 15, 1971, Seiten 1768-1774.
26) GG DeANGELIS et al,: "The Impact of Methadone and Drug- Free Treatment an Criminal Behavior." Drug and Alcohol Dependence, 1 (1975-76) 399- 413.
27) Leon WURMSER: "Entwicklung und Bedeutung der Rauschgiftsucht in den USA» Schweiz. med. Wschr. 104, 1974, Seite 189- 197.
28) William R MARTlN (Editor): "Drug Addiction I” Springer-Verlag, Heidelberg-New York 1977.
29) Michael GOSSOP: "A Review of the Evidence for Methadone Maintenance as a Treatment for Narcotic Addiction." The Lancet, April 15, 1978, Seite 812-815,
30) William PERFECT in R. HUNTER et al: "Three Hundred Years of Psychiatatry, Oxford 1964, Seite 501-505.
31) MS GOLD et al.: Antipsychotic Effect of Opiate Agonists." The Lancet, August 20, 1977,. Seite 398-399.
32) Harbans LAL: "Narcotic Dependence, Narcotic Action and Dopamine Receptors" Life Sciences Vol.17, pp 483496.
33) Johannes KAPUSTE: "Antrag auf Entlastung der Gutachter der Anklage, Prof.Dr.W.Spann oder Vertreter und Prof. Dr. K. Wanke, wegen deren Befangenheit.”, Seite 11 ff.
34) Gunter WIDMAIER: "Antrag auf Ablehnung des Sachverständigen Prof. Dr. Spann et al." September 1978, 14 Seiten.
35) K WANKE und K.-L. TÄSCHNER: "Nervenfachärztliches Gutachten zur Frage ‘ob die Anwendung von Polamidon zur Behandlung heroinabhängiger Personen ärztlich begründet ist’ ". 9.11. 77, Aktenzeichen, 333 Js 16060/76 beim Landgericht München, 77 Seiten.
37) Wolfram KEUP: "Mißbrauch von Schlaf- und Beruhigungsmitteln." Rheinisches Ärzteblatt, Heft l, 1979, Sonderdruck (überreicht durch Dr. med. Dietrich Kleiner, 1 Berlin 21) 7 Seiten.
38) Hannes KAPUSTE: "Publikationen von Wolfram KEUP, deren Studium seine Befangenheit in Bezug auf die Behandlung Süchtiger beweist." (eine Seite)
39) Hannes KAPUSTE: 'Die Meinungen der Autoren des Buches "Drug Abuse'", Springfield 1972, Herausgegeben von Wolfram Keup, zur Methadon-Behandlung Süchtiger. (eine Seite)
40) Hannes KAPUSTE: "Literatur zur Methadon-Behandlung Opioid-abhängiger Jugendlicher in ambulanter ärztlicher Praxis." August 1979, (8 Seiten)
41) Jürgen LOTZE: "Ambulantes Therapieprogramm mit Methadon." Niedersächsisches Ärzteblatt, 51 (9), 1978, Seite 289-293.
42) The New York Academy of Medicine: "Report an Drug Addiction II." New York State J. of Medicine, July l, 1963, Seiten 1977- 2000.
43) Vincent P DOLE und Marie NYSWANDER: ''A Medical Treatment for Diacethyl (Heroin) Addiction - A Clinical Trial with Methadone-Hydrochloride." JAMA 193, Aug. 23, 1965, Seite 646 -650.
44) David P AUSUBEL: "The Dole-Nyswander Treatment of Heroin Addiction. Critical Commentary. JAMA 195, March 1966, Seite 165-166.
45) Arnold LUDWIG und Jerome LEVINE: "A controll ed Comparison of five Brief Treatment Techniques Employing LSD, Hypnosis, and Psychotherapy." Arnerican J. Psychother. 1965, Seiten 417-435.
46) Harold A ABRAMSON (Ed.): "The Use of LSD in Psychotherapy and Alcoholism." The Bobbs - Merrill Company Inc. New York, 1967, 697 Seiten.
47) Charles SAVAGE und O Lee McCABE: ''Residential Psychedelic (LSD) Therapy for the Narcotic Addict. A Controlled Study. Arch Gen Psychiatry/ Vol 28, June 1973, Seiten 803-314.
48) Hannes KAPUSTE: "Bibliographie zur therapeutischen Verwendung von LSD" Januar 1980.
49) Hanscarl LEUNER: "Die experimentelle Psychose" Springer Verlag, Heidelberg 1962.
50) Stanislav GROF: "Topographie des Unbewußten - LSD im Dienst der Tiefenpsychologischen Forschung." Klett- Cotta, Stuttgart 1978, 272 Seiten.
51) Albert HOFMANN: "LSD - Mein Sorgenkind". Klett-Cotta, Stuttgart 1979, 231 Seiten.
52) Willis W HARMAN et al.: ''Psychedelic Agents in Creative Problem - Solving: A Pilot Study."Psychological Reports, 1966, Seite 211-227.
53) Hannes KAPUSTE: "Briefwechsel zur Aufklärung der Hintergründe der Drogen-Politik in der BRD." 1979, (45 Seiten)
54) Bayerisches Ärzteblatt: Anwendung von Methadon und anderen morphinähnlich wirkenden Stoffen bei Drogenabhängigen. 1, 1974, Seite 46
55) Lebensmittelrecht, CH Beck’sche Verlagsbuchhandlung München 1961, 565 Seiten
56) Hans Magnus ENZENSBERGER: Gedichte 1955-1970, Suhrkamp Taschenbuch
57) Hannes KAPUSTE: Briefwechsel zur antzeige der Firma Reemtsma wegen Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz. 1964.
58) Hannes KAPUSTE: Analyse eines aufgehobenen Urteils und seine hypothetischen Folgen. Oktober 1979, Seite 45 ff.
59) Hannes KAPUSTE: Brief an den SPIEGEL vom 4. 12. 1979.
60) Maxim ZETKIN: "Wörterbuch der Medizin", Berlin- Ost 1964.
61) Hannes KAPUSTE: Wie die Münchener Justiz die Verfolgung von Dealern verweigerte.



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