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Die Morphinistenseiten:



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Die Morphinistenseiten



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Ich bin dreisprachig durchs Leben gegangen, was will man machen...- Ich hatte es mir nicht ausgesucht. Es ist eben so geschehen. An manchen Tagen unterhielt ich mich mit Leuten, die alle drei meiner Sprachen sprachen. Ich wandte mich an einen in Deutsch, an einen anderen in Englisch und wieder an einen anderen in Niederländisch und das alles zugleich und den ganzen Tag. Am Ende wußte ich kaum noch, wie mein eigener Arsch hieß. Also nahm ich mir vor, mich endlich auf eine Sprache zu konzentrieren. Ich nahm mir vor, Deutsch zu lernen und vorallem auch, es schreiben zu lernen. Dazu schuf ich die Morphinistenseite, und ließ mir von aller Welt dabei zusehen. Doch die Entstehung der Morphinistenseiten hatte auch noch andere Gründe. So kotzte es mich z.B. mordsmäßig an, wie auf dem Gebiet der dauerhaften, aber medizinisch nicht abgesegneten Morphinverwendung gelogen wird und wie man sich selbst anlügt. In Deutschland braucht man das Thema nicht mehr öffentlich zu diskutieren. Dazu sind Deutsche Gehirne, und zumal die Gehirne von Deutschen, die nicht persönlich betroffen sind, schon viel zu sehr propagandistisch von Staat, Medizin und Pharmakologie gewaschen worden. Man sieht das an den krampfhaften gehässigen Versuchen, mir unlautere Motive zu unterstellen, oder mich in irgendeiner abartigen Weise zu beschreiben.

Manche fordern von mir, ich solle die positiven Wirkungen der Opioide verschweigen, weil Menschen dadurch zu Opioiden "verführt" werden. Aber dieselben Leute tummeln sich auf Seiten, wo offen für Kratom, ein morphinoides Blatt, Werbung betrieben und auch gleich zum entsprechenden Händler verlinkt wird. Das morphinoides Kratom noch legal ist, bedeutet nicht dass es keine körperliche Gewöhnung erzeugt! X Beispiele X

Und weiter: Wieviele dumme Kinder und zurückgebliebene Jugendliche schon durch dieses Werben für morphinoides Kratom zu Opioiden gefunden haben, darüber schweigen sie, denn das bringt ihrem Verein ja Geld und da nimmt man es nicht mehr ganz so genau mit dem gesundheitlichen Wohlergehen seiner Mitmenschen. Aber wie viele zu Opioiden fanden weil ich über Opioide die Wahrheit spreche, darüber zerreissen diese schamlosen Heuchler sich ununterbrochen die Mäuler. Es ist eine Frechheit, dass man auf dieser Plattform mir unterstellt, was dort 24 Stunden am Tage getrieben wird! Was erwartet man von mir? Dass ich solchen Leuten zuliebe über die hilfreichen und heilsamen Eigenschaften der Opioide lüge, damit Kratom besser zu verkaufen ist? Nein. Lügen, überlasse ich solchen Strolchen!
*
Die Gedanken, wie sie in der Morphinistenseite zum Ausdruck kommen, sind in Deutschland ungewöhnlich, obwohl sie im Auslande und in Kreisen nicht korrumpierter Wissenschaftler längst zum Einmaleins gehören. Eigentlich wollte ich Die Morphinistenseite NIE WIEDER ins Netz stellen. Doch das viele Bitten und Drängen seitens meiner Leser überredete mich schließlich doch. Die Debatte über ärztlich nicht abgesegnete Morphinverwendung muss entzweit werden, sie muss zerfetzt werden, da sie überwiegend aus Lügen besteht. Ich will den Tag erleben, da Mütter, denen man das Kind geraubt und eingesperrt hatte weil es klug genug war sich Medizin selbst zu wählen um seine Leiden zu lindern anstatt sich mit synthetischen Giften der Industrie vernichten zu lassen, nicht mehr traurig und alleine am Küchentisch sitzen und Gedichte schreiben, sondern vereint mit gleichfalls vom Staate geschändeten Müttern auf die Straßen gehen, um dort lauthals und notfalls mit Feuer gegen den unmenschlichen Raub ihrer Kinder zu protestieren! Hier ist sie also, die Erste Morphinistenseite und hier Die Zweite, oder wenigstens was davon noch übrig ist. Die meisten Erzählungen habe ich entfernt, weil es sie inzwischen im Handel als Taschenbuch und e-Book gibt. Außerdem gibt es heutzutage schon Unterhaltung genug. Was uns fehlt, ist nicht Unterhaltung und Zerstreuung. Was wir heute benötigen, ist Sammlung. UND MERKE: Wem die Morphinistenseiten nicht zusagen, der hat auf ihnen auch nichts verloren...!



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Die Welt illegalen Morphingebrauchs, das Vorenthalten geeigneten Morphins an Morphinbedürftige, das zwangsweise abgedrängt werden in eine Substituion mit unerwünschten und ungeeigneten Stoffen, ergibt ein berauschendes Bild von Korruption und Verbrechen, einen Wirbel von Gesundheit und Wahn, den nur noch wenige durchschauen. Um hier klar zu sehen, bedarf es entsprechender, vielfach schmerzhafter Erfahrung, eines fröhlichen Zynismus und einer Kälte des Blicks, wie sie nicht jedem zueigen, ganz zu schweigen von der Fähigkeit, alles verständlich in geschriebenes Wort zu fassen...

Man sehe sich doch um in der Welt! Wo wird man nicht betrogen und belogen? Warum sollte das ausgerechnet bei dem hochpolitisierten Thema illegaler psychotroper Substanzen anders sein?? Wer noch nicht völlig auf den Kopf gefallen ist, noch nicht gänzlich durch die Weichmacher staatlicher und medizinischer Lügen- und Unterdrückungspropaganda verseucht und verblödet wurde und Morphine zu anderen Zwecken benötigt als zur bloßen Betäubung körperlicher Schmerzen, der wird zumindest ahnen, dass er enorm angeschissen wird! Doch wer spricht darüber, wer klärt darüber auf? Etwa die Jammergestalten, die dem Zwang korrumpierter Medizin und staatlicher Propaganda erliegen und nach unnützen "Drogentherapien" flehen? Das sind Wahrheiten, die heutzutage kaum noch diskutiert werden.

Klären etwa diese dem Staate gehorchenden Selbstkasteier über die wahren Zustände und Hintergründe auf? Diese Selbstkastraten, die freiwillig nach Gehirnwäsche jammern, in der Hoffnung, sie würden dadurch befähigt, zukünftig weniger auf eigene Bedürfnisse zu hören und dafür problemloser dem Staate zu gehorchen, weniger auf eigenes Lebensglück zu achten um besseres Nutzvieh abzugeben für den Staat und seine Blutsauger aus Adel und Hochfinanz, die hinter dem Staate und seinen Gesetzen stehen?! Seit dem Beginn der Morphinistenseiten vor rund fünf Jahren bis zum heutigen Tage, gibt es unter der Vielzahl der Betroffenen nur einen, der die Dinge realistisch beim Namen nennt: Carlitos Amsel vom Holunderstrauch, der einzig wahre Anarchist der Branche, ihr letzter schreibender Rebell!



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T E X T E   A U S .   ! E L I X I R ,   W I R   S Ü N D E R   V O M   B A H N H O F S K L O 

Aus "ELIXIR": Gefahren unterwegs
Aus "ELIXIR": Szenengespräche
Aus "ELIXIR": Morphinland



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ELIXIR - Wir Sünder vom Bahnhofsklo Der gesamte Text ist in ein Taschenbuch eingegangen, das nunmehr unter dem Titel "E L I X I R -Wir Sünder vom Bahnhofsklo" bei Epubli Verlag und Amazon im Handel ist.



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G E F A H R E N   U N T E R W E G S 

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Um meine Großmutter zu besuchen, hatte ich die Freistadt der Kanäle verlassen und war ins Land der hinterhältigen Menschenverächter gereist. Davon hatten Der Psychiater im Hintergrund und Der ewige Kommissar erfahren. Nun saßen sie Nächtens in ihren Kellern, schmiedeten Ränke, murmelten magische Sprüche und durchstachen kleine Puppen meines Aussehens mit langen, stählernen Nadeln…

Gelang es mir nicht, wieder in die Freistadt der Kanäle zurück zu kehren, geriete ich bald in die Hände der Häscher und endete in einer ihrer Gefängniszellen, in denen man nicht stehen, nur kauern oder liegen konnte, weil sie schmal und niedrig waren wie Backöfen. Damit es einem darin nicht allzu bequem wurde, bliesen sie alle Augenblicke Stöße heißen Dampfes hindurch, in die sie gemahlene Glaswolle streuten...

Aus internationalen Fahndungsgründen, es war eine neue Gruppe sogenannter Terroristen tätig geworden, hatte man die Grenzen vorübergehend geschlossen. Sie waren ohne Identifikationspapiere nicht mehr zu überqueren. Ich besaß keinen Reisepass und auch keine anderen Papiere, die mich ausgewiesen hätten. Wollte ich die Grenze überqueren, wieder weg aus dem Lande der hinterhältigen Menschenverächter und zurück in die Freistadt der Kanäle, blieb mir keine andere Wahl, als über Wald- und Feldwege schleichend, die Grenzkontrollen zu umgehen...

Dem ewigen Kommissar standen Gruppen bewaffneter Betriebsschutzmänner und Horden ziviler Spitzel zur Verfügung, während Dem Psychiater im Hintergrund ganze Schulen von Leuten zur Seite standen, die sich als Ärzte ausgaben. Sie trugen weiße Kittel, aus deren Brusttaschen, um ein Stethoskop vorzutäuschen, Knäuel verknoteter Aquariumschläuche hingen...

Es war schwierig, dauerhaft den beiden Häschern aus dem Lande der hinterhältigen Menschenverächter zu entgehen. Griffen die Gesetze nicht, die Der ewige Kommissar in einem dicken Buch stets bei sich trug und die er nicht selten nach Lust und Laune ausradierte, veränderte oder erneuerte, so griffen die Schwarzkünste des Psychiaters aus dem Hintergrund und seiner Horden weiß bekittelter Helfershelfer, die einen mit Bannsprüchen gefangen nahmen, die sie Diagnosen nannten und je nach Bedarf aus ihren Fingern sogen...

Haftbefehle, folgten mir auf Schritt und Tritt wie schwarze Unheilvögel. Ich musste so schnell wie möglich weg aus dem Land der hinterhältigen Menschenverächter und zurück in die Freistadt der Kanäle, wo Menschen, Hausfassaden und sogar die Atemluft mir freundlich gesonnen, ja, fast schon mit mir verwandt waren...

Im Land der hinterhältigen Menschenverächter gab es nur Wenig, dass an Realität gemessen, sich nicht als Lüge entlarven ließ. Dort lebte die Majorität der Menschen in einem synthetischen Nebel von Trug und Täuschung, der negative Empfindungen förderte und alle unbeschwerte Fröhlichkeit zur Farce werden ließ, die als dünne, mit Alkohol angerührte Schicht, auf einem dicken Untergrund von Hass, Wut, Enttäuschung und tiefster Verzweiflung lag. Dort verkümmerte unaufhörlich der Verstand, so dass die Bevölkerung, anstatt nachzudenken, sich zunehmend von Vorurteilen leiten ließ. Wer mutmaßte, dass Politiker logen, galt bereits als scharfsinnig...

War ich im Auslande ein geselliger Mensch der gerne mit anderen Menschen verkehrte, und das besonders in der Freistadt der Kanäle, so zwang mich im Land der hinterhältigen Menschenverächter der synthetische Nebel von Trug und Täuschung, wollte ich meine geistige Gesundheit bewahren, zum Leben eines Einsiedlers…

Das Land der hinterhältigen Menschenverächter war mir in keinster Weise zuträglich, und doch ward ich dort geboren. Wollte ich überleben, war ich zum Exil gezwungen…


Carlitos Amsel vom Holunderstrauch



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S Z E N E N G E S P R Ä C H E 

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Schmalärschige Geschöpfe auf langen, mageren Beinen, Feen gleich, halb männlich, halb weiblich, flanierten langsam dahin, schritten aber mit steigender Not energischer aus, vergaßen darüber ihr Geschlecht des Abends und forschten schließlich mit brummendem Männerbass, „Wer hat hier was zu verkaufen“?

„Vorsicht! Dieter vertreibt verschnittenes Zeug. Zerstampfte Abführtabletten oder so…“.

„Wenn ich es dir doch sage, Mann! Dick wie 'ne Flasche! Du siehst doch, wie merkwürdig ich laufe? Und das alles nur für ein lausiges Briefchen! Morgen lass' ich mich krankschreiben. Hat jemand Trallala Rudi gesehen? Der arbeitet doch neuerdings für Carlito, oder“?

„Kennst du Walters Tabletten“?
„Nee. Kenne ich nicht. Wieso? Sind die denn gut“?
„Aber ja Mann! Ich hatte erst gestern noch welche davon eingenommen. Danach wäre ich beinahe vor ein Auto gelaufen“.
„Oh Mann, das hört sich aber gut an! Hast du noch welche“?

„Warst du nicht neulich auf Therapie“?
„Ja, war ich. War Klasse. Hat mir mächtig geholfen“.
„Warum bist du dann wieder hier, wenn es dir so mächtig geholfen hat“?
„Ich hatte 'nen Rückfall“.
„Na, sei froh, dass es kein Anfall war, oder gar ein Vorfall“.
„Du meinst so 'ne Geschichte im Rücken, wovon die Wirbel in 'n Arsch gehen“?
„Nee. Ich denke da eher an so 'n Mastdarm-Vorfall, verstehst du, wie Henry ihn hatte. Du erinnerst dich an Henry? Anfangs hing ihm der Darm nur so weit aus dem Arsch, dass er keine kurzen Hosen mehr tragen konnte. Am Ende ging es aber auch mit langen Hosen nicht mehr. Von da an wickelte er seinen Darm um die Oberschenkel und trug nur noch weite Reiterhosen mit Kniebünden. Irgendwann hing er vorne 'nen Münzmechanismus dran, der das Ende abschnürte und es erst wieder freigab, wenn man fünf Euro reinwarf. Damit setzte Henry sich in die hinterste Reihe von Sexkinos und reichte während der Vorstellung das Teil nach vorne, wo es von dem überhitzten Publikum dankbar von Sitz zu Sitz und von Reihe zu Reihe weitergereicht wurde, bis jeder mal dran war und das Ende glühte wie ein überhitzter Lötkolben. Man sah es im Dunklen rot leuchten! Dann zog Henry seinen Darm mit weiten, einholenden Armbewegungen wieder zu sich, leerte den Münzmechanismus in seine Hosentaschen und wickelte seinen Darm wieder um die Oberschenkel. Er verschloss die Kniebundschnallen und marschierte fröhlich vor sich hin pfeifend und mit hörbar klimpernden Münzen in seinen Hosentaschen zum nächsten Sexkino. Wie ich hörte, soll auf Henrys Grabstein 'ne dicke fette Schlange zu sehen sein, deren Symbolik nur jene verstünden, die ihn kannten“
„Das glaube ich aber nicht. Das hast Du Dir sicher soeben aus den Fingern gesogen“.
„Wie, du hältst das für erfunden? Bist wohl noch nicht lange hier, wie“?

„Hab gehört, der alte Florian sitzt schon wieder im Knast“?
„Nee. Der ist längst wieder raus“.
„Schon wieder raus“?
„Ja Mann. Haste nicht gehört? Der ist raus mit den Füßen voran. Er hing eines Morgens mit 'nem Fetzten Bettzeug um 'n Hals vom Fenstergitter. Liest du keine Zeitungen? Dort stand doch, er war dieses Jahr schon das dreiundachtzigste Drogenopfer“.

„Schwitzt du von Methadon auch immer so“?
„Aber ja. Und wie! Man kommt mit dem Deodorant nicht nach“!
„Du musst es ja auch nicht auftragen. Du musst es ballern“!
„Wie? Deodorant ballern“?
„Aber ja doch! Du musst es intravenös rein jubeln, dann strömt es den ganzen Tag von selbst aus deinen Poren. Sieh dir Carlito an. Der kocht sein Heroin immer in reinem Apfelessig auf. Dadurch riecht er den ganzen Tag über wie ein Korb frischer Äpfel“.
„Aber schwitzen ist noch gar nichts! Sieh dir Robert an! Der hat mächtig dicke Eier bekommen, groß wie Kokosnüsse“!
„Aber doch nicht von Methadon, oder? Das besteht doch nur aus Kodein, Morphin und ein klein wenig Heroin“.
„Mann! Du kennst dich aber aus! Bist wohl Apotheker, oder so“?

Gesichter von damals, aufgereiht am Faden der Zeit. Wie pastellfarbener Dunst steigen sie aus deiner Erinnerung, gewinnen Gestalt in deinem Bewusstsein und sehen dich an, vorwurfsvoll und mit geweiteten Pupillen…

Wie Nebel, schlüpften sie in gegenwärtige Körper, stehen auf jungen Beinen, hören auf neue Namen, und warten wieder, warten wie zu allen Zeiten, auf die molekulare Verbindung, die alleine völlige Erleichterung verschafft, warten unter der heißen Sonne eines Sommernachmittages, zwischen dem aufgewirbelten Staub vorbei ziehender Fahrzeuge an der Münchner Freiheit, oder mit geweiteten Pupillen und laufender Nase im knirschenden Eise eines erbarmungslos kalten Wintermorgens, krampfhaft gähnend, elend und krank, am Sendlinger Tor. Hastig dahin huschende Gestalten im rauchigen Neonlicht von Bars, Stundenhotels, Sexclubs und Privatpuffs der Goethestraße, der Schillerstraße, oder sitzen in lauer Abendluft am Hauptbahnhof und warten, warten, warten...-

Vibrierende Saiten, zwischen Schmerz und Lust gespannt, bespielt von körperlosen Fingern, bringen in ewig wiederkehrendem Rhythmus, drängende Not. Wie hauchzarte Töne, verwoben im Wind, flüstert Morphin sein Versprechen. Unentrinnbar, springt seine Verlockung über regennasse Dächer, weht rauschend um laubbetanzte Ecken, schwebt über leere, schneeverwehte Plätze, schwingt in kalten, verlassenen Gassen, findet dich und erschüttert dein Nervensystem…

Leere Getränkedosen rollen scheppernd im Wind, der auf raschelnden Zeitungsblättern gestrige Schlagzeilen an uns vorüber trägt, am Bahnhof Zoo, am Piccadilly Circus, am Times Square, an der Münchner Freiheit, unter Verträumten am Sarband Road zu
Peshāwar und an den Verlorenen am Ende der Straße, barfuß und mit leeren Mägen, in den weiten Sklavenhallen von Bangalore…

Wo sind sie hin, die Leute von damals? Hamburger Dieter, Punkt Dieter, Pickel Dieter, Österreicher Karl, Hunde Klaus, Australier John, Obst Martin, Taxifahrer Wolfgang, der schwule Bernie, Trallala Rudi, Carlito?

Junge, morphingewöhnte Körper, die sich am Hauptbahnhof reihenweise feilbieten, warten auf farblose Verteiler, die von hasserfüllter Pharmagestapo aus den Schatten gescheucht und durch die Straßen gehetzt werden. Banges Warten in Polizeizellen, verängstigt und voll böser Vorahnung, mit ersten Anzeichen des Bösen Geistes in den Eingeweiden, im Transportbus zum Untersuchungsgefängnis, sterbend sich lösen aus morphinbedingten Stoffwechselverhältnissen, vor Schmerz sich windend, von einer Seite zur anderen sich werfend, auf den harten, kalten Betonböden der Suchtstation…


Carlitos Amsel vom Holunderstrauch



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M O R P H I N L A N D 

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Österreicher Karl saß schon am Vormittag auf dem bunt bepflanzten Betonwürfel an der Münchner Freiheit und blinzelte gequält gegen das Sonnenlicht. Unter krampfhaftem Gähnen und seine Pupillen schmerzhaft geweitet, hielt er erwartungsvoll Ausschau nach dem ersten Verteiler des Tages. Noch verströmten Straßen und Gebäude die Kühle der vergangenen Nacht, doch bald reflektierten sie unbarmherzig die Hitze des Sommertages, vermengt mit dem aufgewirbelten Staub des Straßenverkehrs.

Passanten, denen ernsthafte Berufstätigkeit aus allen Knopflöchern strahlte, eilten geschäftig an Karl vorüber, hielten an einer Fußgängerampel, sammelten sich zu einem Grüppchen und warteten geduldig auf grünes Licht. Plötzlich stand Anton mitten unter ihnen, ein qualmender Hundehaufen in frisch gefallenem Schnee, eine Eiterbeule auf ansonsten makelloser Haut. Anton, überdosiert mit Heroin, drohte jeden Augenblick vollends in Schlaf zu fallen. In der Linken einen Kunststoffbecher voll knallgelbem Vanillepudding, schöpfte er mit den Fingern seiner Rechten die zähe, klebrige Masse und wollte sie zum Mund führen. Doch sein Oberkörper sank immer weiter nach vorne und nahm dabei die gefüllte Hand mit, so dass sein happender Mund sie nicht erreichte. Am Ende stand Anton gebeugt wie ein Zirkusakrobat, mit durchgesackten Beinen und seiner Nasenspitze in Kniehöhe, wobei er gerade noch Gleichgewicht hielt, während zwischen seinen Fingern zäher, gelber Pudding in langen Fäden zu Boden rann. Die berufstätigen Damen und Herren, alle ordentlich in Kostüm, Anzug und Krawatte, wichen entsetzt von Anton zurück, wodurch ein Kreis entstand, in dessen Mitte Anton in artistisch gekrümmter Haltung zwischen Schlaf und Bewusstsein hing und in stets länger werdenden Intervallen versuchte, die gefüllte Hand mit dem happenden Mund zu vereinen. Kein Zweifel, hier war Morphinland…

Es war kurz vor zehn Uhr Vormittag. Die Pharmabullen kamen erst gegen neun Uhr in ihr Dienstgebäude. Bis sie Kaffee getrunken und sich über die laufenden Fälle besprochen hatten, wurde es zehn Uhr. Das bedeutete, bis zehn Uhr war man verhältnismäßig sicher auf den Straßen. Österreicher Karls Blick fing Pickel Dieters Silhouette, die soeben aus dem Barbarella Spielsalon getreten war. In diesem Sommer war Dieter meist der erste Verteiler des Tages. Österreicher Karl sprang von dem bunt bepflanzten Betonwürfel und lief hinter Pickel Dieter her. Ein kurzer Gruß und sie verschwanden beide am anderen Ende der Straße. Kein Zweifel, hier war Morphinland…

Ich saß gegenüber dem bunt bepflanzten Betonwürfels, auf der anderen Seite der Freystraße, in einem Cafe. Dort tunkte ich sogenannte Amerikaner, runde flache Hügel süßen Gebäcks mit zuckerglasierter Unterseite, in lauwarmen Kakao. Dabei beobachtete ich aufmerksam die Straßenkreuzung. Ich wartete auf Mannie mit der roten Jacke, der ein abgewogenes Gramm Honkongrocks liefern wollte. Abgewogene Ware war schwer zu bekommen während dieses Sommers. Man war überwiegend auf Heroinbriefchen angewiesen. Warf man den Inhalt solcher Briefchen zusammen bis das Gewicht eines Grammes erreicht war, bezahlte man dafür sicher vierhundert Mark. Ein Gramm von Mannies Rocks dagegen, abgewogen und unverpanscht, sollte nur zweihundert Mark kosten…

Honkongrocks, im Aussehen Katzenstreu ähnlich, hatten etwas Merkwürdiges an sich. War man an sie gewöhnt und traten erste leichte Entwöhnungssymptome auf, neigte man zum Erbrechen und es war nicht einfach, es zu unterdrücken. Hatte man die Rocks in der Tasche und eilte damit nachhause um sie zu verwenden, durfte man unterwegs keinesfalls an sie denken. Dachte man an sie, verstärkte sich die Brechneigung. Kochte man sie auf, war man bemüht, um ja nicht zu erbrechen, an völlig andere Dinge zu denken um sich von ihnen abzulenken. Kurz nach dem Abdrücken quoll noch ein letztes krampfhaftes Aufbäumen von Brechreiz durch den Körper. Gleich danach war man wieder völlig in Ordnung. Merkwürdige Ware, diese Honkongrocks. Hatte man Pech und es kam zum Erbrechen, erbrach man hellgrünen, glasigen Schleim der nach Galle schmeckte. Heute sieht man sie kaum mehr, doch damals gab es sie in allen Brauntönen, Grautönen und einmal sah ich sogar Violette. Diese Färbung kam möglicherweise durch eine inzwischen versandete Absprache unter Herstellern von Essigsäureanhydrid zustande, wonach die Essigsäure gefärbt werden soll, um anhand der Farbe von Heroin festzustellen, wer die Essigsäure geliefert hatte, mit der es hergestellt worden war. Honkongrocks wurden überwiegend aus dem Amsterdamer Chinesenviertel importiert...

Mein Blut gesättigt mit gelösten Honkongsteinen, saß ich wenig später im Englischen Garten auf dem niedrig hängenden Ast eines Baumes und sah einigen Kindern beim Ballspiel zu. Plötzlich löste sich ein molliges, etwa vierzehnjähriges Mädchen aus der Gruppe und kam auf mich zu. Während die restlichen Kinder rundäugig hinter ihr her sahen, hielt sie eine Kunststoffinjektionsspritze voll brauner Flüssigkeit in die Höhe und bat, „Kannst du mir das rein machen“?

Ihren pummeligen Unterarm in meiner, auch noch jungen, aber schwieligen Arbeiterhand, strich ich mit schmutzigem, nikotingegilbtem Zeigefinger über ihre jungfräulichen Venen, frisch und elastisch wie Kükenfleisch. Gänsehaut erschien auf ihrem Arm, als ihr Nervenkostüm sich unter dem Drängen des anflutenden Heroins aufbäumte, um gleich danach wieder zu schwinden, als ihr zentrales Nervensystem unter der egalisierenden Wirkung des Heroins in wohliges Äquilibrium schwang. Danach hüpfte die junge mollige Gestalt fröhlich wieder zu ihren Spielkameraden/innen. Dort sprang sie gewandt in die Höhe und fing einen kirschroten Ball. Merkwürdige Kinder gab es gegenwärtig. Doch wer war ich, um kritisch zu sein…?

Wochen später, Sommernacht und Sternenpracht im Englischen Garten. Eine halbe Gallone Jim Beam half mir über eine, noch relativ milde, Heroinentwöhnung hinweg. Zerlumpte Säufer am Monopteros wiesen mit knotigen, klauenartig gekrümmten Fingern auf meine bauchige Pulle und röchelten mit ersterbender Stimme, „Darf ich auch mal“? Danach, bei der Disco Between, traf ich nochmals auf diese dralle junge Göre von vorhin. „Kommst Du mit uns?“ fragte Sie und hakte ihren Arm in meinen. „Wir gehen gemeinsam zu Edwins Wohnung“. Edwin, ein pickeliger Realschüler, führte uns an. Er hatte eine junge schizophrene Göre am Arm, die aus verwunschenen Drüsen endogene Stoffe absonderte, die sie unentwegt kichern ließen…

Edwin lebte mit seiner Mutter in einer noblen Wohnung, unweit der Leopoldstraße. Mama war geschäftlich unterwegs und Filius hatte sturmfreie Bude. Edwin und die schizophrene Göre verschwanden gemeinsam im Badezimmer. Dort setzte Edwin die Göre in die Wanne voll schaumigem Wasser, während er nackt am Wannenrand Platz nahm. Der Bengel hätte die Göre sichtlich gerne geröhrt, kam er aber mit seinen Fingern an Stellen ihres Körpers, um sie entsprechend zu erwärmen, kicherte sie so albern darauf los, dass Edwins Realschülerpfeifchen nicht Stand hielt, schrumpelig in sich zusammenfiel und nur noch zum Pinkeln taugte. Es war ein höchst widerwärtiges Schauspiel…

Der Kühlschrank war mit Wein, Schampus und anderen alkoholischen Softdrinks gefüllt. Edwin riet, „Bedient euch ruhig“. Ich klemmte der drallen Göre zwei Pullen Schampus unter die Arme und schob sie vor mir her in Mutters Schlafzimmer. Dort empfing uns ein großes Bett, mit synthetischer Leopardenfelldecke. An der Wand hing ein Turnreck, in der Ecke stand eine Sonnenbank. Vor hohen Fenstern hingen Vorhänge aus schwerem purpurnem Samt. Kein Zweifel, die Bude stank nach Geld. Da ich es aber mit gastfreundlichen Kindern zu tun hatte, unterließ ich es, nach der Haushaltskasse zu stöbern.

Im Bett fand die Göre, „Du kannst ja richtig nett sein“! Es war aber nur die typische Verwechselung von nett sein mit erschöpft sein. Sternhagelblau und Entwöhnungsschmerz in den Knochen, hatte ich keine andere Wahl, als zahm zu sein wie ein Meerschweinchen. Ich poppte darauf los bis mir der Atem ausging, bunte Sterne vor meinen Augen platzten und meine Sinne schwanden. Als ich am nächsten Morgen wieder zu mir kam, stellte ich fest, die dralle Göre hatte während der Nacht meine Fingernägel manikürt…

Carlitos Amsel vom Holunderstrauch



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