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Wir sind ja alle sooo "süchtig"!
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Leidet man an Depressionen, an immer wieder auftretenden Symptomen der Schizophrenie oder anderen störenden psychischen Symptomen, fällt es leichter zu sagen man sei „süchtig“ als zu sagen, man sei aus bisher unerfindlichen Gründen und womöglich gar aus genetischen Gründen psychisch gestört. Ist man „süchtig“, kann man die Schuld für seinen Zustand einer Substanz zuschreiben, dem Teufel „Droge“, der u.a. für solche Gelegenheiten geschaffen wurde. Fiele dagegen der VErdacht einer Krankheitsursache müsste man am Ende zugeben, man sei gar nicht die Klasse Persönlichkeit als die man sich gerne profiliert, sondern, psychisch „nicht ganz richtig“. Das wirft womöglich ein schlechtes Licht nicht nur auf die eigene Person, sondern gar auf die ganze Familie. Man bevorzugt es deshalb zu sagen, „ich bin psychisch so verkorkst, weil ich dem Teufel Droge auf den Leim gegangen und dadurch "süchtig" geworden bin“. Diese Aussage birgt die Gefahr, dass man die Einnahme der „Droge“ mit dem schlechten Gewissen verbindet, füttert man damit doch nur seine „Sucht“. Was aber, wenn man in Wahrheit die „Droge“ nicht einnimmt weil man danach „süchtig“ sei, sondern, weil man irgendwie dahinter gekommen war dass sie genau die Symptome lindert, die man fälschlicherweise ihr in die Schuhe schiebt? Hinter diesem gedanklichen Jui Jitsu steckt der Grund, weshalb viele Menschen daran festhalten, sie seien nicht irgendwie psychisch behindert, sondern „süchtig“. Hierin steckt auch der Grund, weshalb sich viele Betroffene gegen die Aussagen der Morphinistenseiten sträuben. Dabei ist man im einen Fall so unschuldig wie im anderen. Keiner kann etwas dafür dass es zu den pharmakologischen Eigenschaften gerade der Stoffe gehört die man zur Aufrechterhaltung seiner GEsundheit benötigt, dass sie körperliche Gewöhnung erzeugen und keiner kann etwas für die vielen Einflüsse unserer modernen Welt, chemische, soziale wie auch politische, die geeignet sind, unsere psychischen Abläufe in quälender Weise durcheinander zu bringen und keiner kann etwas für seine genetische Beschaffenheit. Man sei deshalb beruhigt. Jeder ist in jedem Falle unschuldig. Man sollte die nötigen Medikamente ohne schlachtes Gewissen einnehmen und Politik sowie Medizin so weit bringen, sie auszuhändigen. Inzwischen wünschen wir, man hörte endlich auf, Bedürftigen die Verwendung von Opioiden auszureden und man hörte endlich auf zu jammern, man sei „süchtig“!
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