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Soziales & Morphin



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S O Z I A L E S   &   M O R P H I N 

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In verschiedenen anderen Texten, wie etwa in „
Der Morphinist“, haben wir bereits physikalische Einflüsse beschrieben, die Symptome zu erzeugen vermögen, die von Opiaten gelindert werden können und Menschen deshalb zu Opiat greifen lassen. Nun wollen wir versuchen, ähnliche Einflüsse in soziale Umstände aufzuzeigen.

Amerikanische Soldaten in Vietnam griffen gerne zu Heroin.
(…dass ihnen, nebenbei bemerkt, vom eigenen Geheimdienst unter die Nase gehalten wurde…)

In Zahlen ausgedrückt, glaubten drei viertel von beispielsweise 495 "Heroin positiven" Soldaten, das ist die Stichprobe derjenigen, die bei angekündigten Urinuntersuchungen Heroinrückstände im Urin hatten, dass sie in Vietnam Heroingewöhnt wurden. Ein drittel hatte nach ihrer Rückkehr in die USA noch Erfahrungen mit Opiaten,
(von den 470 Befragten in der allgemeinen Population waren es 10%) aber nur 7% hatten Zeichen erneuter Gewöhnung. In der allgemeinen Population ist das weniger als 1%.

Daraus geht hervor, dass viele junge Amerikaner, die vielleicht nie im Leben längeren Kontakt zu Morphin bekommen hätten, unter den Bedingungen des Krieges Heroingewöhnt wurden und nach dem Krieg diese Gewöhnung dauerhaft wieder ablegen konnten.

Wir geben zu, in unserem Lande, in unseren Städten und ihren Wohnsiedlungen, herrschen gegenwärtig noch keine Kriegszustände. Die Intensität äußerer Einflüsse ist aber nicht nur von ihrer Beschaffenheit abhängig, sondern auch von der Beschaffenheit der betroffenen Person. Es ist nicht auszuschließen, dass manche Zustände in unserem Lande in verschiedenen Menschen ähnliche Effekte erzielen, wie Kriegszustände. Es ist nicht auszuschließen, dass soziale Umstände in Menschen mit entsprechend einfühlsamer Beschaffenheit ähnliche unangenehme Symptome erzeugen, wie Kriegszustände einst in jungen Amerikanern erzeugten.

Der Einfachheit halber haben wir uns angewöhnt, die Welt in eine Äußere und eine Innere zu zerlegen. Diese Unterteilung ist aber im Grunde nicht zulässig, da das eine das andere bedingt. Dies weist darauf hin, diese fiktive Welt eines Innen & Außen ist eigentlich eine Einheit. Ob ein Mensch mehr seine Umwelt prägt oder mehr von seiner Umwelt geprägt wird, ist im Prinzip eine Frage der beteiligten Kräfte. Sind die inneren Kräfte eines Menschen so gut koordiniert, dass sie gemeinsam wirken können, wird er unter Umständen stak genug sein seine Umwelt zu prägen. Sind seine inneren Kräfte durch Mangel an Koordination gehindert, als eine Kraft zu wirken, werden sie im Ringen um Koordination sich gegenseitig bekämpfen, wodurch der Mensch insgesamt geschwächt leichter von seiner Umwelt geprägt wird.

Endogene biochemische Vorgänge werden andauernd durch äußere Umstände beeinflusst und modifiziert. Wie sonst könnte uns der Anblick von Schönheit erfreuen und das Leid eines Lieben erschüttern?

Folglich hat die rasante Zunahme der Morphinbedürftigkeit in unserem Lande nicht nur mit physikalischen Einflüssen zu tun, wie etwa Allergien, Lebensmittel- bzw. Umweltchemikalienunverträglichkeit usw., sondern eben auch mit sozialen Einflüssen.

So gut wie keiner, der sich aus beruflichen Gründen mit Menschen, vor allem mit jungen Menschen befasst, besitzt die Fähigkeit, sich in sie hinein zu versetzen, auch gibt man das vor oder redet es sich gerne selbst ein. Die Praxis zeigt, dass es nicht wahr ist.
(Zum Beispiel verdienen solche Leute Geld, während jene, mit denen sie sich beruflich befassen in der Regel keines haben. Dadurch eröffnen sich den einen Möglichkeiten, von denen die anderen nur träumen können. Dies alleine schon reißt schwer überwindbare Schluchten auf wenn es um gegenseitiges Verständnis geht usw. usw. usw.)

Werden Sie, liebe LeserIn, doch einmal mit 32 Cent in der Tasche in einer ungeheizten, kaum möblierten Wohnung wach, kein Kaffee im Haus und auch sonst nichts, was als Frühstück dienen könnte. Im Küchenkasten steht, neben einigen Teebeuteln, hinter denen Kackerlacken sich verstecken, nur ein Napf angeschimmelter Diätmargarine und eine steinharte Kruste Braunbrot. Draußen regnet es. Sie verfügen über kein Geld und keine ersichtliche Möglichkeit an welches zu kommen. Der alkoholbedürftige Nachbar aus dem Untergeschoss hatte Ihnen zum wiederholten Male den Briefkasten geplündert. Dadurch war der Brief vom Arbeitsamt mit der Aufforderung zu erscheinen, nie in Ihre Hände geraten. Ihr Arbeitslosengeld wurde gesperrt. Ihre Zukunftsaussichten sind leer wie die ausgeleckte Dose Tomatenheringe auf dem Tisch vor ihnen. Menschen in ihrem Alter aus der Nachbarschaft geht es nicht anders.

Fühlen sie die Umstände die junge Amerikaner während des Vietnamkrieges nach Opiat verlangen ließen langsam näher kriechen? Draußen regnet es noch immer. Ratten rascheln durch die überfüllten Abfalltonnen vor Ihrem Fenster. Eigentlich lohnt es sich gar nicht, aus dem Bett zu kommen. Der Tag hat nichts zu bieten. Er wird nicht anders sein als der gestrige, oder der Tag zuvor oder der Tag davor. Sie stehen dennoch auf, aber nur weil Sie gelernt haben, ständig im Bett zu bleiben und viel zu schlafen führt zu Depressionen.

Wie fühlen Sie sich jetzt? Antworten Sie, „Mir geht es nicht gut. Aber ich ziehe die Jacke über, gehe raus und mache etwas aus meiner Situation“, so zeigen Sie damit, dass Sie nicht verstanden haben. Ziehen Sie ihre alte abgewetzte Lederjacke über und gehen Sie los, aber vergessen Sie nicht, es regnet noch stets und sogar heftiger als noch gerade eben und vergessen Sie nicht, Sie unternahmen all das schon unzählige Male zuvor, ohne jedes Ergebnis.

Stellen Sie sich vor, sie wären schon von klein auf immer ein wenig introvertiert und von deprimierter Grundstimmung. Verstärken ihre sozialen Umstände nicht Ihre Niedergeschlagenheit?
(Gehen Sie nicht zum Psychiater deswegen. Der verdient nur Geld an Ihnen und vergiftet Sie unterdessen so ganz nebenbei mit seinen Pharmagiften...)

Wie geht es Ihnen, nachdem Sie einige Jahre in einer Situation gleich dieser gelebt haben und wohin Sie sich auch wenden, es ist kein Ausweg in Sicht? Hatten Sie nicht schon immer ein wenig mit Selbstmord geliebäugelt? Der rasche Ausweg? Kurzer Schmerz, viel Veränderung? Man könnte sich aus dem Fenster seiner erbärmlichen Bude im 8. Stock des Plattenbaus fallen lassen. Darüber hatten Sie doch schon öfter nachgedacht. Oder würden Sie sich vielleicht doch lieber einmal wieder ein wenig besser fühlen, erleichtert von all den Gewichten Ihres Alltags? Weg mit den schrecklichen Gedanken und ohne sie weiterleben? Wollen Sie sich wieder ein wenig stärker fühlen, zuversichtlicher? Darf ich Sie zu einer Pulle Rum einladen? Wir wollen ihn als Tee mit Rum trinken, notfalls auch umgekehrt als Rum mit Tee, und dazu ein wenig von dem Kandiszucker, der sich noch im hintersten Winkel Ihres Küchenkastens verkrochen hatte wo die Mäuse ihn nicht fanden. Ach? Sie trinken keinen Alkohol, mögen ihn nicht, vertragen ihn gar nicht? Sie finden, durch Alkohol verblöde man? Außerdem mussten Sie das Elend Ihrer Mutter mit ansehen, nachdem Papa den Doppelkorn für sich entdeckte? Außerdem sei Alkohol ohnehin giftig? Nun stellen Sie sich vor es gäbe einen „Zaubertrank“ von dem einige Tröpfchen genügten um Ihre ganze Person in einer Weise zu verändern dass Sie plötzlich Kraft genug hätten um die ganze Misere, das ganze Elend um Sie her zum Besseren zu wenden. Sie werden sehen, das Tränklein besitzt die Eigenschaft, Ihre biochemischen Abläufe, ohnehin schon von Natur aus allzu labil und durch intensive Beeinflussung seitens ihrer Umwelt noch mehr enregelt wodurch Sie sich nur noch unwohl fühlen, wieder so zu justieren, dass Ihnen Fröhlichkeit, Kraft und Gesundheit wiederkehrt. Freilich ist dieser Trank, wie alles wahrhaft wertvolle in dieser Welt, von Staat und Kirche verboten und monopolisiert worden. Man bekommt ihn, aber man muss viel Demut mitbringen und Gold. Macht man ohne Erlaubnis der Obrigkeit davon Gebrauch, machen sie einem die Hölle heiß. Dabei wächst die Zutat für das Tränklein in jedem Garten, auf jeder Wiese. Ein Wiesenblümchen, aus dessen geronnener Milch man das "Zaubertränklein" rührt. Willkommen in der Welt der Opiate!

Nachdem Ihnen mithilfe des „Zaubertränkleins“ und gegen alle Widerstände von Staat, Gesellschaft und Rechtssprechung gelungen ist, sich selbst und Ihre Welt wieder in Ordnung zu rücken, sollten Sie allerdings nicht vergessen, sich den „Zaubertrank“ wieder abzugewöhnen. Das machen Sie, wie Sie auch damit begonnen hatten. Wie Sie anfangs langsam immer mehr nahmen bis Sie fanden es sei genug für Ihre Zwecke, so nehmen Sie zum Abgewöhnen langsam immer weniger, bis Sie nichts mehr nehmen. Sollten Sie dabei feststellen, der "Zaubertrank" verringerte Ihre Introvertiertheit und verbesserte damit in erfreulicher Weise die Kommunikation zwischen Ihnen und Ihren Mitmenschen und nahm Ihnen obendrein auch noch diese elende depressive Grundstimmung an der Sie schon Ihr ganzes Leben lang litten und Sie hatten während der Dauer seiner Einnahme nie mehr den Gedanken, sich im 8. Stock aus dem Fenster zu stürzen, wollen Sie den "Zaubertrank" vielleicht gar nicht mehr sein lassen. Weshalb auch? Rettete er nicht geradezu ihr Leben? Damit haben Sie aber ein Problem, nicht mit dem "Zaubertrank", sondern mit Staat, Gesetz und Rechtssprechung. In diesem Falle rate ich Ihnen, wenden Sie sich an einen Arzt Ihres Vertrauens, erzählen Sie ihm Ihre Geschichte und bitten Sie ihn anschließend, er möge Ihnen das Medikament, dass Sie offenbar zum Leben benötigen, auf Rezept verordnen.
[...und ist er kein Hosenscheißer und mehr Politkommissar und Parteimitglied als Arzt, wird er das auch tun.* Schließlich ist der Psychiater, nur wenige Türen weiter, auch bereit, Ihnen aufgrund derselben Indikation einen Eimer voll seiner schädlichen Gifte anzudrehen...] Der Morphinist

*Liebe Ärzte. Es ist wieder Zeit, Mut zu zeigen. Da ihr während der Zeit des Nationalsozialismus schon kräftig bewiesen hattet, wie sehr es euch daran fehlt, könnt ihr euch heute, bei solchen Gelegenheiten, rehabilitieren...


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