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Werner W.



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Ich hatte schon manche Mode miterlebt. Leute etwa, in dunkler Kleidung, enge Jeans wie Wurstpellen um die mageren Beine, Klötze von Armeestiefeln an den Füßen und einen Gang, als schleppten sie Erdklumpen des Grabes mit sich, aus dem sie entstiegen waren. Oder Leute die plötzlich Hosen in Übergröße trugen, mit den Hosenböden unterhalb den Kniekehlen, dazu weite T-Shirts, lang genug um über die Hüften zu reichen, die Hände an gestreckten Armen in Taschen, die der hängenden Hosen wegen viel zu tief saßen um ohne Anstrengung erreicht zu werden und dazu ein wackeliger Gang bei dem der Körper bei jedem Schritt von einer Seite zur anderen fiel. Danach sah man häufig Leute, die während einer Unterhaltung zwar mit beiden Füßen unbewegt am Boden standen, dabei aber in einer weiten Hose unentwegt mit einem Beine schlenkerten als wollten sie damit Entschlossenheit oder Draufgängertum signalisieren, obwohl sie eher den Eindruck erweckten, sie hätten in die Hose gekackt und versuchten nun mit schlenkernder Bewegung, den vermaledeiten Knödel aus der Hose zu befördern.

Werner W. war von dieser Sorte. Mit beiden Füßen unbewegt auf der Erde und mit einem Beine schlenkernd rief er, “Was ist los”!? Ich überlegte kurz und antwortete, "Schlenkere du nur einfach weiter so mit deinem Bein. Vielleicht sehen wir dann gleich, was los ist, sobald es neben dir auf der Erde liegt”. Doch Ironie oder gar Intelligenz waren bei Werner W. Perlen vor die Säue. Deshalb fragte ich nach einer Weile, “Was hättest du gerne, dass los sei”? “Ein Halbes!”, rief Werner W. und wiederholte laut, “Ein Halbes”! Damit war ein halbes Gramm Heroin gemeint und spielte der Vorgang auf der Straße, ein so genanntes Straßenhalbes. Die Gewichtseinheiten der Straße waren anders als gewöhnliche Gewichtseinheiten. Sie waren weitgehend willkürlich. Ein Straßenhalbes konnte zwischen einem Zehntel Gramm und vier zehntel Gramm wiegen. Nur eines wog es nie, nämlich tatsächlich ein halbes Gramm. “Du hast kein Geld”, sagte ich Werner W. ins Gesicht. Ihm konnte man nämlich ansehen, ob er pleite war oder über Geld verfügte. War Werner W. pleite, lief er nach vorne gebeugt, die Hände tief in den Hosentaschen, den Kopf eingezogen und machte insgesamt den Eindruck, er hielte mit den Arschbacken ein chinesisches Essstäbchen fest, dass er um keinen Preis verlieren durfte. Hatte Werner W. Geld, lief er aufrecht, den Kopf erhoben, die Arme frei bewegt und breitbeinig, als schaukele er genüßlich seine Eier im Wind. “Zugegeben”, sagte Werner nach einer Weile, “Geld habe ich zwar keines, aber dafür habe ich dies hier”. Damit holte er eine Damenarmbanduhr von gelbem Metall und dem Omega Markenzeichen auf dem Ziffernblatt aus der Tasche. “Wie wäre es damit”? Werner hatte die Uhr noch in der Hand, als ich sagte, “Dafür kriegst du höchstens eine Ohrfeige”. Werner machte große Augen. “Eine Ohrfeige!? Aber wieso? Die Uhr ist aus echtem Gold”. Ich nahm die Uhr aus Werner W's Hand, sagte, “Gib Acht”, und ließ sie aus geringer Höhe auf die Oberfläche eines Ampelschaltkastens fallen. Beim Aufprall fiel das Uhrglas aus dem Rahmen, der Deckel fiel ab, das Uhrwerk kippte aus dem Gehäuse, kullerte eine Strecke und fiel zu schließlich zu Boden. “Das ist ein Bausatz für Hohlköpfe”, klärte ich Werner W. auf. “Die Dinger bekommt man an jeder Straßenecke für Centbeträge im Hunderterpack hinterher geworfen”. Wie ein gescholtenes Kind senkte Werner den Kopf . “Sieh mal,” machte ich ihn aufmerksam, “Dort kommt Lui. Der ist blöde. Dem kannst du die Uhr andrehen. Der nimmt sie bestimmt”. "Aber Lui vertreibt doch nur verpanschtes Zeug!", maulte Werner W. "Das ist doch prima", sagte ich. "Er dreht dir verpanschte Ware an, du bezahlst ihn dafür mit einer gefälschten Markenuhr und jeder ist glücklich...-"


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