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Der Pickel
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________________________________________________________________________ Flog Bas für seine jährlichen drei Wochen in Urlaub zu seiner Familie auf die Niederländischen Antillen, half ich während dieser Zeit in seinem Coffeeshop aus. Die meisten Stammgäste kannte ich noch vom Jahr zuvor. Sabine schaffte schon damals hinterm Bahnhof an und Bart war noch stets der gleiche wie vor einem Jahr, sehr gesundheitsbewusst und auf sein Aussehen bedacht. Er ernährte sich nur von geschroteten Körnern, Nüssen, trockenen Haferflocken, Rosinen, Brot, Ölsardinen und frischen Salatblättern...
Bone und seine Crew hatten in einem besetzten Haus am Oosterpark eine Technoparty organisiert, wobei es unter nicht mehr nachvollziehbaren Umständen dazu gekommen war, dass Bart und Sabine miteinander gepoppt hatten. Zwei Tage später erschien Bart im Coffeeshop und klagte jedem der es hören wollte und vielen die nichts davon wissen wollten, seit diesem Tage habe er einen merkwürdigen Pickel am Schwanz. Sabine, die den Verdacht, sie sei die Ursache dieses Pickels, nicht auf sich sitzen lassen wollte, kam einen Tag später und berichtete, auch sie habe einen Pickel bekommen, und zwar am Arsch, der sogar schon zu Kundenbeschwerden und Einnahmeeinbußen geführt habe. Bald ging es im Laden zu wie in einem Affenstall. Man hörte nur noch Gespräche über Pickel. Am Wochenende war Wilhelm der Medizinstudent erschienen. Er hörte von der Pickelgeschichte und befragte Bart genau nach allen Einzelheiten. Wo genau der Pickel saß, wollte er wissen und Bart erzählte zum wiederholten Male, “Ganz vorne oben, knapp über der Öffnung”. Wilhelm erkundigte sich nach dem genauen Aussehen, nach Größe, Form, Farbe, Konsistenz und Oberflächenstruktur des Pickels. Bart, froh dass endlich jemand seinem Pickel die gebührende Aufmerksamkeit schenkte, antwortete bereitwillig und ausführlich. Als Wilhelm genug erfahren hatte, schwieg er eine Weile. Dann zog er ein ernstes Gesicht und verkündete, alles deute auf das Anfangsstadium eines stinkenden Shanghai Schankers hin. Bart bekam große Augen. “Ein stinkender Shanghai Schanker”, wiederholte er immer wieder mit bebender Stimme. Wilhelm holte tief Atem, um eine längere wissenschaftliche Erklärung abzugeben. “Der Pickel auf deinem Schwanz", erklärte er, "wird durch eine geballte Ansammlung von Bazillen des stinkenden Shanghai Schankers verursacht. Diese Bazillen verweilen erst einige Monate unter der Haut deines Schwanzes, bis sie erwachsen sind. Dann emigrieren sie die Pissröhre hoch bis in die Blase, nagen dort an den Wänden bis aufs Blut, kriechen hinein und lassen sich vom Blutstrom durch den Körper bis ins Gehirn spülen. Dort bauen sie dann Nester“. “Nester?”, flüsterte Bart ängstlich. “Und eine Woche später“, warf ich dazwischen, “kommen kleine bunte Vögel aus den Nestern und flattern in alle Himmelsrichtungen davon“. „Nein“, rief Wilhelm. „Dann ernähren sie sich von Neurotransmittern und kacken giftige Säfte zwischen die Synapsen. Davon halluziniert man. Dann sieht man plötzlich überall große Spinnen, Käfer und solche Sachen“. Ich wandte mich zu Bart. „Und wenn du dabei zufällig eine große grüne Gottesanbeterin siehst, die gerade aus dem Fenster hüpft, springst du am besten schnell hinterher. Sie hält zwischen ihren Vorderklauen nämlich die letzten Überreste deines Verstandes“.
“Sei unbesorgt”, erklärte Wilhelm unerwartet, “Im momentanen Stadium ist die Krankheit noch gut zu behandeln. Gleich morgen bringe ich eine Salbe mit”. Prompt erschien Wilhelm tags darauf mit einem Salbentöpfchen von Porzellan, auf dem Deckel ein kleiner feuerroter Teufel mit gelbem Dreizack in der Hand, umgeben von chinesischen Schriftzeichen. “Dies ist Rubrimentsalbe mit Nikotinsäure, Nelkenöl und Oleoresin Capsicum. Das ist höllisch wirksames Zeug“. Wilhelm reichte Bart das Salbentöpfchen. „Und für den Fall dass die Erreger unter deiner Haut schon entfernte Kolonien bildeten, massierst du das Zeug am besten gleich ins ganze Gehänge, Eier und alles“. Devot vor Dankbarkeit, nahm Bart das Töpfchen und schlich damit, den Eindruck eines Schwerkranken erweckend, zur Toilette. „Und richtig kräftig einmassieren!“, rief Wilhelm ihm hinterher. Eine Viertelstunde verging bis Bart wieder aus der Toilette kam. Er hielt die Knie aneinander, tänzelte auf den Zehenspitzen, sein Kopf knallrot, die Augen verdreht, eine Hand zwischen seinen Beinen, die andere flehend nach vorne gestreckt. „Uuuiii! Das brennt!“ , keuchte er heiser. Wilhelm lehmte sich lässig gegen die Bar und erwiderte fachmännisch, „Was du nun spürst, ist die Friktionshitze der vielen Bazillen unter deiner Haut, die jetzt alle umherflitzen und sich dabei aneinander reiben. Sie suchen nach einem Ausweg, finden aber keinen. Sind sie erschöpft, läßt das Brennen nach. Danach dauert es höchstens noch eine Stunde, bis sie endgültig durch die Salbe vergiftet sind und sterben...
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INTRACEREBRAL Die Morphinistenseite
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Schnappschuss. | Endlich frei!
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