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Der Handballenabdruck.
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..Wir malten mit einem schwarzen Filzstift, den Rudi in den Administrationsräumen geklaut hatte, ein Schachbrett auf den weißen Kunststoffbelag des Zellentisches, als plötzlich die Zellentür geöffnet wurde. Draußen stand ein Wachbeamter der mich zum Rechtsanwalt rief...
Zum Rechtsanwalt, dachte ich verwundert? Ich hatte doch noch gar keinen Rechtsanwalt? Vielleicht, so dachte ich, hatte sich draußen in Freiheit jemand meiner erbarmt und einen Rechtsanwalt beauftragt? Neugierig, ließ ich mich zu den Besuchszimmern in den Kellern der Neubauten führen, durch hundert verschlossene, zu öffnende und wieder zu verschließende Türen, Treppen hoch und wieder hinab, bis man mich schließlich alleine in den Korridor entließ, in dem sich die Besuchszimmer befanden…
Die Türen waren, so nicht geschlossen, so doch zumindest angelehnt. Deshalb erkannte ich zuerst nicht, in welchem Zimmer jemand auf mich wartete. Im hintersten Teil des Korridors, hinter einer nur angelehnten Tür, vernahm ich Stimmen. Ich blickte durch den Türspalt in den Raum. Dort saß ein älterer Mann in einem billigen verbeulten Anzug und neben ihm eine übertrieben geschminkte junge Frau. Auf dem Tisch vor den beiden lagen einige merkwürdige Gegenstände. „Jaja. Kommen Sie nur herein“, rief der Mann, als er mich bemerkte. „Sie sind hier schon richtig“. Scheu, betrat ich das Besuchszimmer und setzte mich. Der Mann wies sich als Beamter der Kriminalpolizei aus, die junge Frau war seine Sekretärin. Die merkwürdigen Gegenstände auf dem Tisch waren Vorrichtungen zum Abnehmen von Fingerabdrücken… „Wir hätten gerne den Handballenabdruck ihrer linken Hand“, erklärte der Kriminalbeamte. Das Wort „Handballenabdruck“, löste in mir sofort einen Wasserfall an Erinnerungen aus. Ich sah mich wieder in der Wohnung des Stadtrats im angeseheneren Stadtviertes, wo ich den Blechschrank nicht aufbekommen hatte. Ich hatte einen stabilen Schraubenzieher angesetzt und die Blechtüre mit viel Kraft seitwärts gedrückt. Dabei war der Schraubenzieher ausgeglitten und ich war mit dem Handballen meiner Linken gegen die Blechschranktür geschlagen. Das musst du unbedingt noch wegwischen, bevor du wieder gehst, hatte ich damals noch gedacht. Als ich am Ende aber die Geldsumme sah, die sich in diesem Blechschrank befunden hatte, war ich so davon überwältigt, dass ich es völlig vergaß. Als ich zwei Tage später zuhause saß und Musik hörte, fiel mir dieser Abdruck wieder ein. Inzwischen war er aber längst schon in Händen der Kriminalpolizei...
„Hier, rauchen Sie“, sagte der Kriminalbeamte im Besuchszimmer des Gefängnisses und schob eine Packung Zigaretten über den Tisch auf mich zu. Seine Sekretärin schwärzte inzwischen schon die Fingerabdruckutensilien ein. Ich nahm die Packung Zigaretten vom Tisch, steckte sie in meine Tasche, stand auf und sagte, „Ihr könnt mich am Arsch lecken mit eurem Handballenabdruck“! Damit schlüpfte ich zur Tür hinaus und ging auf den Beamten zu, der am Ende des Korridors auf mich wartete. „Komm“, sagte ich. „Ich bin fertig. Wir gehen wieder“…
Hinter uns hörte ich den Kriminalbeamten rufen, „Bleiben Sie stehen! Paragraph soundso verpflichtet Sie, ihren Abdruck zu geben“! Ich drehte mich zu ihm und sagte, „Diese Paragraphen habt ihr hinter meinem Rücken und ohne meine Zustimmung ausgeknobelt. Ich habe sie nie unterschrieben, folglich verpflichten sie mich auch zu nichts“! Damit ging ich weiter in die Richtung des Altbaus. Doch der Kriminalbeamte blieb hartnäckig hinter mir. Die geschwärzte Fingerabdruckwalze in der Hand, stammelte er etwas von Pflichten und Paragraphen und von furchtbaren Strafen die jene träfen, die nicht gehorchten. „Läufst Du weiter hinter mir her mit deinem Geschrei und deiner dämlichen Fingerabdruckwalze“, sagte ich schließlich, „dann nehme ich sie dir weg und rolle sie so lange über dein Gesicht, bis du aussiehst wie der Sarotti Mohr“!
Der junge Wachbeamte an meiner Seite hatte sichtlich Freude an dem Spektakel. Er grinste unentwegt und klimperte fröhlich mit seinem Schlüsselbund. Als wir die Ebene erreich hatten, wo Aufzüge in die Gänge zum Altbau führten, gab mein Verfolger auf. Resignierend, ließ er die Schultern hängen. Er ließ seine blöde Walze sinken und keuchte er schwer, vom anstrengenden Dauerlauf durch die Gefängniskorridore Zurück in der Zelle berichtete ich meinen Kollegen, „Diese Leute von der Behörde schrecken vor nichts zurück. Jetzt geben sie sich schon als Rechtsanwälte aus, nur um unsereins aus den Zellen in die Besuchsräume zu locken. Sie sollten sich schämen“! Ich warf die Packung Zigaretten auf den Tisch, die ich von dem Kriminalbeamten erhalten hatte. „Und vor Bestechungsversuchen, schrecken sie auch nicht zurück“!
Von der Geschichte mit dem Handballenabdruck hörte ich nie wieder. Vermutlich war der Kerl so frustriert von dem Erlebnis, dass er den Kram zu den unaufgeklärten Fällen legte, wo er verstaubte und in Vergessenheit geriet...
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