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Bargeld lacht...



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Irgendwann wussten wir schlichtweg nicht mehr wohin mit dem ganzen Zaster. Man lebte immerhin bescheiden, hatte keine nennenswerten Ausgaben, aber zunehmend Einnahmen. Was wir zum leben benötigten, kostete entweder nur wenig, wie etwa Nahrungsmittel, Wodka, Tabak und Koks, Strom, Gas und Telefon, oder es war gänzlich umsonst, wie etwa Hanf, oder unsere Wohnstätten, unser Zusammensein, gute fröhliche Gespräche während langer Abende oder ganzer Nächte an Lagerfeuern, mit selbst gemachter Musik und fröhlichem Miteinander.

Verschenken, konnten wir unsere Handelswaren nicht. Hätten wir sie verschenkt oder nur zum Eigenkostenpreis verschleudert, man hätte uns überrannt. Zur Bank, konnte man den Plunder nicht mehr bringen. Dort hatte man inzwischen die Vorschriften der Regierung akzeptiert, jede Bargeldeinzahlung über 20.000 Gulden bei der Polizei zu melden und angesichts der Tatsache, dass der ganze Rest der Welt manisch hinter dem Zeug her war, wollte man es auch nicht gerade zum Müll geben. Ich packte meines schließlich in Bündel geschnürt unter die Küchenspüle, wo der lecke Syphon einen Teil davon mit stinkender Brühe tränkte. Von wegen, Geld stank nicht! Das meiste blieb aber trocken und darüber machten sich schließlich die Mäuse her. Ich hatte es gerade noch rechtzeitig bemerkt und die nassen Scheine an einem sonnigen Nachmittag zum Trocknen im Garten an die Wäscheleine gehangen. Der eine Fünfhundert Gulden Schein allerdings, der schon von Mäusen angefressen worden war und eine Menge kleiner Löcher zeigte, musste eben zur Bank gebracht und gegen einen neuen Schein getauscht werden. So jedenfalls meine theoretische Überlegung...

Ich packte den Schein in meine Brieftasche und lief damit zur nächsten Filiale der Rabo Bank. Damit müsse ich zur Nationalbank, erklärten sie dort. Sie selbst seien nicht befugt, diesen Geldschein gegen einen neuen zu tauschen. Also machte ich mich auf den Weg zur Niederländischen Nationalbank, kurz vor dem Weesperplein. Dort ließen sie mich nicht rein, weil ich mich nicht ausweisen konnte. Am nächsten Tag lief ich mit meinem Mitgliedsausweis der Amsterdamer öffentlichen Bibliotheken nochmals hin. Obwohl ich mit diesem Ausweis berechtigt war, teuerste Bücher auszuleihen und mit nachhause zu nehmen, akzeptierte die Niederländische Nationalbank ihn nicht als Ausweisdokument. Mit einem Seufzer machte ich mich wieder auf den Nachhauseweg. Tags darauf lief ich erneut hin. Diesmal hatte ich einen gültigen, wennschon gefälschten Deutschen Reispass bei mir. Dieses eigenhändig gefälschte Dokument öffnete mir schließlich die Pforten der Bank. Ich hielt dem Pförtner den von Mäusen angefressenen Fünfhunderter unter die Nase. Er verwies mich zu Zimmer 272 im zweiten Stock...

In Zimmer 272 saß hinter einem nahezu leeren Schreibtisch eine ältere Frau mit Schmetterlingsbrille auf der Nase. Ich setzte mich auf einen Stuhl und legte den durchlöcherten Schein auf den Schreibtisch. Wo ich den her hätte, wollte die Alte wissen. Diese Sorte Fünfhundert Gulden Scheine gäbe es schon seit zwei Jahren nicht mehr. „Isser denn schon verfallen“, fragte ich. Nein, verfallen sei er noch nicht, erklärte sie, noch könne man diese Scheine bei jeder Bank in die neue Variante wechseln, vorausgesetzt sie seien nicht beschädigt, wie dieser hier. Aber dieser sei, so bemerkte sie, doch sehr durchlöchert. Sie nahm meinen Schein, legte ihn vor sich auf den Schreibtisch und strich ihn sorgfältig glatt. Danach legte sie eine durchsichtige Folie darüber, auf der mit feinen Linien Quadratzentimeter eingezeichnet waren. Dann beugte sie sich über den Schein und begann zu zählen. Was sie trieb, blieb mir schleierhaft, bis sie nach einer Weile zu zählen aufhörte, den Kopf hob und erklärte, „Diesem Schein fehlen genau 25%. Folglich erhalten sie dafür nur 75% seines ursprünglichen Wertes. Das wären dann 375 Gulden“. Erst dachte ich, die Alte scherzte, aber nein, sie scherzte nicht. Sie blätterte kaltblütig 375 Gulden auf den Schreibtisch und sah mich an als wolle sie sagen, nimm es oder lass es! Drei Tage, hatte ich mich abgequält, um in diese Nationalbank zu gelangen. Nun, da es mir gelungen war, musste ich hilflos mit ansehen, wie die Gauner mich mit fein ausgeklügelten Regeln völlig legal um 125 Gulden prellten. Wundert sich noch jemand, weshalb Holland ein reiches Land ist? Es sind Gauner! Sehr kluge Gauner. So "dulden" sie beispielsweise den Handel mit Cannabis, belegen ihn aber mit Steuern und lassen ihn weiterhin im illegalen Bereich, damit sie notfalls nach Belieben damit schalten und walten können wie es ihnen beliebt. Kluge Leute, diese Niederländer. Hätte ich diesen verwunschenen Fünfhundert Gulden Schein weiterhin den Mäusen überlassen, wir wären alle zufriedener geblieben...


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